Eine breite Front macht mobil gegen die AKR

Die Ambulanten Kodierrichtlinien kommen nicht zur Ruhe - immer mehr Vertreter der Ärzteschaft stellen sich gegen sie. Neben KVen und Verbänden protestiert nun auch die Ärztekammer Nordrhein gegen die AKR.

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Ambulante Kodierrichtlinien im Fokus: Die Front dagegen wird in der Ärzteschaft immer breiter.

Ambulante Kodierrichtlinien im Fokus: Die Front dagegen wird in der Ärzteschaft immer breiter.

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Von Ilse Schlingensiepen, Christian Beneker und Jürgen Stoschek

KÖLN. Die Front gegen die Ambulanten Kodierrichtlinien (AKR) wird immer größer. Als erste Kammer hat jetzt die Ärztekammer Nordrhein (ÄKNo) ihre Mitglieder dazu aufgerufen, sich dem Protest anzuschließen. Die ÄKNo fordert, die Richtlinien erst nach einer breit angelegten Testphase einzuführen.

Der ÄKNo-Vorstand empfiehlt den Ärzten, die Petition eines baden-württembergischen Hausarztes an den Deutschen Bundestag zu unterstützen. Am Freitag hatten knapp 9000 Ärzte die Petition "Ärzte - Stopp der ambulanten Kodierrichtlinien" (Nr. 15520) mitgezeichnet.

Damit sich die Parlamentarier des Themas annehmen, müssen es bis 16. Februar 50 000 werden. Auch die Kassenärztlichen Vereinigungen Hessen, Niedersachsen und Bayern haben zuletzt zur Unterstützung der Petition aufgerufen.

"Die Kodierrichtlinien sind nicht nur ein Thema für die KVen, sondern auch für die Ärztekammern", sagt der Mülheimer Hausarzt Uwe Brock, Vorstand der ÄKNo.

Werden die AKR wie geplant zum 1. Juli scharf geschaltet, werde den Niedergelassenen durch die bürokratische Zusatzbelastung Zeit für die Behandlung der Patienten verloren gehen, kritisiert er.

"Die AKR sind kontraproduktiv in einer Zeit, in der es darum geht, junge Ärzte für die Tätigkeit als Hausarzt zu gewinnen." Es seien vor allem die widrigen Rahmenbedingungen im Alltag, die den Nachwuchs von der Niederlassung abhalten, so Brock.

Die ÄKNo will in Schreiben an die Mitglieder des BundestagsGesundheitsausschusses, den Bundesgesundheitsminister, die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und den GKV-Spitzenverband ihre Ablehnung der AKR darlegen und dabei auch auf datenschutzrechtliche Bedenken hinweisen.

In die gleiche Kerbe schlägt auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Niedersachsen, Dr. Jörg Berling: "Wir rufen nicht zum Boykott auf. Die Kodierrichtlinien sind gesetzliche Pflicht. Sie müssen befolgt werden. Aber natürlich können wir uns an den Gesetzgeber wenden mit der dringenden Bitte, sein Handeln zu überprüfen."

Große Teile der Ärzteschaft sähen in der neuen Kodierrichtlinie eine weitere, unzumutbare bürokratische Belastung der Praxen.

Andererseits solle die exakte Erfassung der Morbidität künftig die Voraussetzung dafür bieten, dass dem ambulanten Sektor auch die erforderlichen Vergütungsanteile zufließen.

"Das ist natürlich auch unser Anliegen", sagte der neuen KVN-Chef, Mark Barjenbruch.

"Aber dazu benötigen wir eine vollständige Sachverhaltsdarstellung. Es muss im Detail geklärt werden, welche Bedeutung die Kodierrichtlinien für die Vergütung der Ärzteschaft haben könnten, und ob es Alternativen gibt."

Auch der neue Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) lehnt die Ambulanten Kodierrichtlinien in ihrer jetzigen Form ab. Die Kodierrichtlinien würden die Versorgung der Bürger in Bayern in keiner Weise verbessern, erklärte KVB-Vorsitzender Dr. Wolfgang Krombholz.

"Die Systematik der AKR zielt in ihrer aktuellen Ausprägung darauf ab, die Menschen kranker zu machen, als sie eigentlich sind", sagte Krombholz. Damit würden völlig falsche Anreize gesetzt.

Die neuen Kodierrichtlinien förderten eher eine aufwendige, kleinteilige Dokumentation von Diagnosen. Ansätze zur Gesunderhaltung der Patienten fehlten völlig. Der Präventionsgedanke werde durch die AKR konterkariert, erklärte Krombholz.

Kritik äußerte auch Vorstandsvize Dr. Pedro Schmelz. "Die mit der Einführung der AKR verbundene Bürokratie lässt die Arbeitsbelastung der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten massiv steigen - und das ohne irgendeinen finanziellen Ausgleich", sagte Schmelz.

Der Vorsitzende des Hartmannbundes Professor Kuno Winn erwartet von KBV-Chef Dr. Andreas Köhler ein klares Signal, wie und bis wann er den Beschluss der KBV-Vertreterversammlung zur Nachbesserung der AKR umsetzen will.

"Wenn wir nicht sehr schnell klare Anhaltspunkte dafür bekommen, dass die Kritik an den Kodierrichtlinien auch wirklich angekommen ist, dann wird auch die letzte noch konstruktiv-kritische Haltung in absolute Ablehnung umschlagen", warnt Winn.

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