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Kommentar zur Digitalisierung

Es gestaltet, wer das Zepter in der Hand hält

Wer waltet, wird nicht verwaltet. In diesem Sinne sollten Ärzte gerade bei der Digitalisierung der Versorgung einen aktiven Part spielen.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:

Angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl wirft sich der IT-Branchenverband Bitkom für die weitere Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens in die Bresche. Er fordert von der nächsten Bundesregierung dasselbe hohe Tempo ein, das Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in seiner Amtszeit vorgelegt hat. Als Booster wirkt seit etwas mehr als einem Jahr die gegenwärtige Corona-Pandemie.

Nun sind auch drei von vier Deutschen überzeugt, dass ein digitalisiertes Gesundheitswesen ein geeignetes Mittel sei, um Krisen wie der Pandemie zu begegnen. Das zeigt eine repräsentative Befragung, deren Ergebnisse Bitkom Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder am Mittwoch vorgestellt hat.

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Rohleder hat Kante gezeigt. Er fordert von Ärzten und Krankenkassen ein „offenes Mindset“ in puncto Digitalisierung ein. Vor allem Ärzte und auch die Kassenärztlichen Vereinigungen sollten ihren teils offen geäußerten Unmut über die elektronische Patientenakte (ePA) unterlassen und stattdessen aktiv bei Versicherten für dieses Kernstück der digitalisierten Versorgung die Werbetrommel rühren, so sein Plädoyer.

Ärzte sitzen in der Schaltzentrale

Rohleders Äußerungen muten auf den ersten Blick wie eine plumpe Aufforderung zur Ankurbelung der Konjunktur seiner Mitgliedsunternehmen an. Auf den zweiten Blick kann man sie aber auch diplomatisch verstehen.

Denn: Auch wenn so manche Haus- und Fachärzte nicht zuletzt aufgrund der als zu niedrig angesehenen Honorierung für das Erstbefüllen der ePA geradezu einen Widerwillen verspüren, dem patientenseitigen Wunsch nach Befüllung der ePA nachzukommen, so sehr sitzen sie aber eben in der Schaltzentrale. Jeder niedergelassenen Arzt wird andere Probleme mit der ePA und zum Beispiel seiner Praxis-EDV haben. Es wird sich zeigen, ob das individuelle handwerkliche Fehler sind, oder ob das System als solches hapert. Das trifft auch für andere Digitalisierungskomplexe zu.

Wichtig ist aber, dass die Ärzteschaft versucht, das Zepter des Handelns an sich zu reißen und über ihre standespolitischen Vertreter an den entscheidenden Stellen im BMG und in der Selbstverwaltung einen aktiven gestalterischen Part einnimmt. Denn wer waltet, der wird nicht verwaltet. Insofern hat das Rohleder’sche offene Mindset für den digitalisierten Versorgungsalltag mehr als Charme für alle niedergelassenen Haus- und Fachärzte.

Schreiben Sie dem Autor: matthias.wallenfels@springer.com

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