Kommentar zu „„#innovationsland Deutschland“

Europa sucht die KI-Superstars

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht: 22.09.2020, 16:12 Uhr

Künstliche Intelligenz (KI) gilt als eine der Zukunftstechnologien überhaupt. So sollen beispielsweise KI-basierte Diagnostik- und Therapieentscheidungshilfesysteme Ärzte im Versorgungsalltag unterstützen, da sie – im Gegensatz zu den Medizinern – quasi unbegrenzt mit wissenschaftlicher Literatur gefüttert werden können.

Bis solche Lösungen flächendeckend zum Einsatz kommen können, bedarf es allerdings noch vieler intelligenter Köpfe, die sich – auf Wissenschafts- oder Unternehmensseite – in den Dienst der KI stellen.

KI soll somit, um es vulgär auszudrücken, geil und sexy werden. Dazu hat Bundesforschungsministerin Anja Karliczek am Dienstag in Berlin mit einem großen Bahnhof den Startschuss für die Kampagne „#innovationsland Deutschland“ gegeben. Diese soll dazu beitragen, dass Europa – und vor allem auch Deutschland – seinen Spitzenplatz in puncto KI gegenüber der asiatischen und US-amerikanischen Konkurrenz auch langfristig verteidigen kann. Eine Herkulesaufgabe angesichts der Tatsache, dass die Wettbewerber bei ethischen Ansprüchen an die KI die Messlatte im Vergleich zur EU deutlich niedriger hängen.

Unisono stimmten Karliczek und Bundeskanzlerin Angela Merkel überein, dass mehr in die Bildung investiert werden müsse, um die talentierten Forscher der Zukunft hervorzubringen. Schließlich hänge der Lebensstandard in Deutschland auch von dessen Innovationsfähigkeit ab.

EU-Innovationskommissarin Mariya Gabriel legte elegant den Finger in die europäische KI-Wunde, ohne wirklich jemandem Schmerzen zuzufügen. Sie mahnte „kohärentere europäische Rahmenbedingungen“ an, um eine Resilienz in der EU für künftige Krisensituationen dauerhaft zu gewährleisten. Dafür bedürfe es auch eines Einklangs der verschiedenen nationalen KI-Strategien der EU-Mitgliedstaaten.

Nur für den Hinterkopf: Stand heute verfügt noch nicht einmal jeder EU-Mitgliedstaat über eine nationale KI-Strategie, da viele Länder hier einfach keine bedeutenden Strukturen vorweisen können. Dies lässt sich gerade am Beispiel der Onkologie und des angekündigten Kampfes der EU gegen Krebs noch weiter herunterbrechen. KI kann in der Präzisionsonkologie eine zentrale Rolle spielen. Fakt ist auch hier, dass noch nicht alle EU-Länder eine nationale Strategie gegen Krebs in petto oder gar verabschiedet haben. Es gibt sogar, wie der rumänische Europaabgeordnete Cristian-Silviu Bușoi (EVP) vor Kurzem hinwies, noch drei Mitgliedstaaten, die noch nicht einmal über Comprehensive Care Center zur Krebsbekämpfung verfügen.

Insofern ist die europäische Suche nach den KI-Superstars schon blanko allemal spannender als alle TV-Formate, in denen sonstige Stars gesucht werden. Mehr aber nicht? Hoffen wir es nicht!

Schreiben Sie dem Autor: matthias.wallenfels@springer.com

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