Contergan in Spanien

Grünenthal geht in Berufung

Contergan löste einen der größten Arzneiskandale aus. Im November, mehr als 50 Jahre nach der Aufdeckung, sprach ein spanisches Gericht Betroffenen Entschädigungen zu. Der deutsche Konzern Grünenthal wehrt sich jetzt gegen das Urteil.

Veröffentlicht:

MADRID. Der wegen des Contergan-Skandals in Spanien zu Entschädigungszahlungen verurteilte deutsche Pharma-Konzern Grünenthal will gegen das Urteil in Berufung gehen. Unter anderem, weil die Kläger keine Beweise für ihre Klageansprüche erbracht hätten, hieß es in einer vom Unternehmen am Freitag in Madrid veröffentlichten Mitteilung.

Ein gerechtes Urteil sei nach einem halben Jahrhundert unmöglich. Betroffene erhielten zudem bereits "umfassende finanzielle Unterstützung", hieß es.

Bei der Verkündung des Urteils gegen Grünenthal hatte die Vorsitzende Richterin Gemma Susana Fernández Díaz am 20. November dem Unternehmen "nachlässiges Verhalten" zur Last gelegt. Der Konzern habe in Spanien Medikamente mit dem Contergan-Wirkstoff Thalidomid vertrieben, obwohl er von der Schädlichkeit gewusst habe.

Etwa 180 Geschädigte hatten in dem Prozess in Madrid eine Entschädigung von insgesamt 204 Millionen Euro verlangt. Das Gericht gab dem Gesuch in erster Instanz teilweise statt. Es verurteilte das Unternehmen dazu, einigen der Betroffenen für jeden Prozentpunkt der Behinderung eine Entschädigung von jeweils 20.000 Euro zu zahlen.

Die Sprecherin von Grünenthal in Spanien, Rosa Montero, teilte mit: "Für alle von einem Thalidomid-haltigen Grünenthal-Produkt betroffene Menschen gibt es etablierte und bewährte Möglichkeiten, um Unterstützungsleistungen zu erhalten."

Und weiter: "Wir können deshalb nicht nachvollziehen, warum spanische Kläger, die behaupten, sie seien von Thalidomid betroffen, diese Möglichkeiten bewusst missachten und Grünenthal auf Schadenersatz verklagen."

Contergan hatte Ende der 1950er Jahre einen der größten Arzneimittelskandale ausgelöst. Weltweit kamen 10.000 Kinder mit schweren körperlichen Missbildungen zur Welt, davon 5000 in Deutschland. (dpa)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema

ADHS im Erwachsenenalter

Wechseljahre und ADHS: Einfluss hormoneller Veränderungen auf Symptomatik und Diagnose

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG, Iserlohn
Den Herausforderungen mit Hopfenextrakt begegnen

© Pixelrohkost / stock.adobe.com

Arztinformation – Hilfe für Patientinnen in den Wechseljahren

Den Herausforderungen mit Hopfenextrakt begegnen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Procter & Gamble Health Germany GmbH, Schwalbach am Taunus
Abb. 1: Wichtige Signalwege und Angriffspunkte für eine zielgerichtete Therapie beim Mammakarzinom

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [3]

Molekularpathologische Diagnostik

Welche Tests sind wichtig beim Mammakarzinom?

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Rauchverzicht wirkt sich am stärksten auf die Lebenserwartung von Menschen nach Krebserkrankung aus.

© Alpha / stock.adobe.com / Generated with AI

DKFZ

Nach Krebsdiagnose: Gesunder Lebensstil kann großen Unterschied machen

Eine Krankenschwester misst die Temperatur einer älteren Frau mit einem berührungslosen Infrarot-Thermometer.

© amnaj - stock.adobe.com

Bei Senioren

Hypothermie bei Sepsis – ein Warnsignal!