Telemedizin

Hämophilie-Projekt will mit App in die Regelversorgung

Die TelemonitoringPlattform "smart medication" soll die Behandlung von Patienten mit angeborener Hämophilie verbessern. Die Kassen zeigen für das Projekt allerdings bisher nur wenig Interesse.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:

DÜSSELDORF. Die Entwickler und Betreiber der Telemonitoring-Plattform "smart medication" für Patienten mit angeborener Hämophilie verzeichnen ein steigendes Interesse von Ärzten und Patienten. Bislang hoffen sie aber vergeblich auf ein finanzielles Engagement der Krankenkassen.

Zwar wachse das Interesse der Kassen an dem Projekt, zu einem Vertrag zur Finanzierung der telemedizinischen Versorgung ist es bislang aber nicht gekommen, berichtete der Frankfurter Hämostaseologe Dr. Wolfgang Mondorf auf dem Health IT Forum auf der Medica in Düsseldorf.

Mondorf hat "smart medication" gemeinsam mit seinem Münsteraner Kollegen Dr. Hartmut Pollmann initiiert. Das Ziel: die ärztlich kontrollierte Selbstbehandlung in Ergänzung zu der Betreuung durch die oft weit entfernten Spezialisten.

Hämophilie-Patienten können über eine App Daten zu Blutungen und zur Selbstbehandlung sowie Bilder eingeben. Besteht Behandlungsbedarf, kann der Arzt den Patienten sofort kontaktieren und die Therapie anpassen oder sonstige Schritte einleiten. Die Daten werden verschlüsselt über eine sichere Verbindung übermittelt, sie sind anonymisiert und nicht zurückzuverfolgen.

Tagebuch ohne Papier

Außerdem führen die Patienten ein Tagebuch im Portal, das die bisherige Papierversion ersetzt. Auch das erleichtere dem Arzt das Monitoring, sagt Mondorf. Ein weiteres Modul gibt den behandelnden Ärzten einen Überblick über den Vorrat an Blutkonzentraten.

"Das System ist ideal, um die Behandlung zu optimieren", findet er. Zurzeit nutzen es rund zehn Prozent aller Patienten und 30 bis 40 Prozent der spezialisierten Ärzte. Über 35.000 Behandlungen wurden über das System dokumentiert. Es hat den dritten Preis beim Wettbewerb "Die innovative Arztpraxis 2013" von Springer Medizin und UCB erhalten.

Die Nutzung ist für die Patienten kostenfrei. Das Portal wird zum einen über den gemeinnützigen "Verein zur Förderung der Telemedizin in der Hämostaseologie" finanziert und zum anderen über pharmazeutische Unternehmen. "Smart medication" ist aber hersteller- und produktunabhängig, betonen die Betreiber. Das System ist ein zertifiziertes, registriertes Medizinprodukt.

Die beteiligten Ärzte erbringen bislang den mit dem Telemonitoring verbundenen Aufwand ohne Vergütung "Die Behandlungsoptimierung wird nicht über Ziffern abgebildet, da müssen wir aber hinkommen", sagte Dr. Nicola Nowak von Biotest, einem Hersteller von Faktor VIII-Produkten, der die Plattform unterstützt.

Die Investition in zukunftsträchtige Technologien sei sinnvoll, könne aber nur eine Anschubfinanzierung sein, betonte auch Dr. Sebastian Wolf von Bayer Vital. Langfristig müsse das System Teil der Regelversorgung werden. "Smart medication muss zum Standard werden", sagte er. Das System erfülle alle notwendigen Anforderungen.

Schweizer gehen voran

Sowohl Wolf als auch Nowak sehen Chancen, die dort generierten Daten auch für Studien zu verwenden. "Wir könnten gerade bei neuen Präparaten sehen, ob sie richtig eingesetzt werden, ob das Behandlungsregime richtig ist", erläuterte Wolf. In der Schweiz solle "smart medication" in jedem Hämophilie-Zentrum etabliert werden, berichtete Mondorf.

"Dort will man das System auch gleich in ein Register integrieren." Der Arzt hofft, dass auch in Deutschland das System langfristig als Register genutzt wird. "Es geht nicht nur um die kumulierten Daten, sondern um jede einzelne Behandlung."

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