Kommentar

KI-Studie: Im digitalen Vollrausch

Nichts ist unmöglich: Corona! Die pandemiebedingte Euphorie für den KI-Einsatz in Medizin und Pflege mutet grotesk an.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:

Im Moment laufen sich offensichtlich alle möglichen Experten warm, um die Segnungen der Künstlichen Intelligenz (KI) auch und vor allem für die Bereiche Gesundheit und Pflege zu preisen.

COVID-19 werde nicht nur die Akzeptanz der deutschen Bevölkerung für E-Health, sondern speziell auch die für KI-basierte Gesundheitslösungen massiv steigen lassen, so der – wohl im kollektiven digitalen Vollrausch erzielte – Konsens der am Dienstag veröffentlichten Bertelsmann-Zukunftsstudie „Leben, Arbeit, Bildung 2035+“. Gefragt wurden laut Stiftung „mehr als 500 nationale und internationale ExpertInnen aus Wirtschaft und Wissenschaft.“

Das erinnert schon ein bisschen an die groteske Werbung eines japanischen Autoherstellers zu alten – noch analogeren – Zeiten: Nichts ist unmöglich: Corona!

Bei nüchterner Betrachtung mag zwar vorübergehend die KI-Akzeptanz in der Bevölkerung steigen, aber spätestens, wenn es um die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung der vor zwei Jahren von der Bundesregierung verabschiedeten nationalen KI-Strategie geht, wird die Begeisterung für Kollege Roboter wieder sinken. Denn es geht um eher trockene, dem Otto Normalverbraucher schwer vermittelbare Themen wie Regulatorik, Datenschutz, Haftungsrecht oder auch Medizinethik, die einer eindeutigen, konsentierten Ausrichtung bedürfen, bevor KI im großen Stil die medizinische und pflegerische Versorgung überhaupt wesentlich mitgestalten kann.

Da das ganze KI-Ansinnen dann nach dem Willen der Bundesregierung auch noch in den EU-Kontext eingebettet werden soll, ist es nicht undenkbar, dass bis zum Jahr 2035 – 81 Prozent der Studienteilnehmer prognostizieren, dass zu diesem Zeitpunkt der Einfluss der KI auf die Gesundheit und Pflege groß sein wird – noch gar nicht viel passiert sein wird, in Deutschland also eher wieder KI-Katerstimmung herrscht.

Schreiben Sie dem Autor: matthias.wallenfels@springer.com

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