KV und Kassen sind sich wie selten einig: Schwerin braucht einen Hautarzt

SCHWERIN(di). Schwerin sucht dringend einen Dermatologen. Wer sich bis Oktober für eine Niederlassung entscheidet, erhält eine Investitionskostenzulage in Höhe von 30 000 Euro.

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Zehn Hautärzte praktizieren derzeit im Planungsbezirk Nordwest-Mecklenburg, Schwerin und Wismar - die Hälfte von ihnen in der Landeshauptstadt. "Von einem Versorgungsnotstand kann man nicht sprechen", sagt Oliver Kahl von der KV Mecklenburg-Vorpommern.

Der Hauptabteilungsleiter Sicherstellung kassenärztliche Versorgung beobachtet dennoch eine besondere Situation in Schwerin, die den Zuschuss rechtfertigt. Seit dem dritten Quartal 2008 gibt es zwei Dermatologen weniger in der Stadt, zwei weitere Vertragsarztsitze stehen zum Verkauf. Wenn diese Kollegen aufhören, bleiben von den einst sieben nur drei Ärzte. Die Patienten müssen schon jetzt deutlich längere Wartezeiten in Kauf nehmen. "Es besteht ein lokaler Versorgungsbedarf", sagt Kahl.

Diesen haben auch die Krankenkassen erkannt. Auf Antrag der Kassenärztlichen Vereinigung haben sie deshalb kürzlich im Landesausschuss beschlossen, einem niederlassungswilligen Dermatologen bis zum Oktober 30 000 Euro Startkapital zu bieten. Dies ist ungewöhnlich, weil der gesamte Planungsbezirk eigentlich gesperrt ist. Sein Zuschnitt erlaubt aber eine großzügige Verteilung der Praxen - so entsteht in einem gesperrten Bezirk lokal Bedarf an niedergelassenen Ärzten.

Von sieben Dermatologen werden wohl nur drei übrig bleiben.

Ungewöhnlich ist auch, dass die Zulage im Landesausschuss einvernehmlich beschlossen wurde. Damit besteht für den neuen Dermatologen von Beginn an Rechtssicherheit, dass er das Geld auch tatsächlich bekommt. Dies ist nicht unbedingt selbstverständlich: Denn die Zuschüsse in unterversorgten Gebieten werden häufig von den Krankenkassen - die das Geld neben der Gesamtvergütung aufbringen müssen - beklagt.

Im Nordosten ist die KV bei der Durchsetzung solcher Zuschüsse aber erfolgreich. Seit Mitte des vergangenen Jahres haben dort zwölf Hausärzte, ein Augenarzt und ein Nervenarzt einen Zuschuss in Höhe von 50 000 Euro für eine Niederlassung erhalten.

Nach Auskunft von Oliver Kahl besteht derzeit in sieben Planungsbereichen Unterversorgung, so dass auch dort ein Zuschuss möglich ist. Dieser wird aber nur an niedergelassene Ärzte unter 50 Jahren und bei mindestens fünfjähriger Tätigkeit am Ort gewährt.

Auch gegen mögliche "Hobbypraxen" hat man sich abgesichert. Denn schon im ersten Quartal der Niederlassung müssen die neu niedergelassenen Mediziner 75 Prozent der Fallzahl ihres Fachgruppendurchschnitts erreichen, im zweiten Quartal werden sogar 85 Prozent gefordert.

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