Fehlverhalten

Kassenleistungen privat liquidiert? Regierung will sich das mal ansehen

Der Bundestagsabgeordnete und Neurologe Dr. Armin Grau will wissen, ob die Bundesregierung Handlungsbedarf sieht, der-Vermarktung von Kassen- als Selbstzahlerleistungen einen Riegel vorzuschieben.

Veröffentlicht:

Berlin. Leistungen des GKV-Katalogs als Privatleistungen anzubieten, verstößt gegen vertragsärztliche Pflichten. Ende vorigen Jahres hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband eine Patientenbefragung veröffentlicht, die zwar keine Rückschlüsse auf das Ausmaß solcher Pflichtverstöße zuließ. Zumindest aber den Eindruck vermittelte, dass es sich dabei keineswegs nur um eine Marginalie handeln könnte. Der Bundesregierung liegen allerdings „derzeit keine validen Erkenntnisse vor, die in dieser Hinsicht ein flächendeckendes Fehlverhalten von Vertragsärztinnen und Vertragsärzten aufzeigen“, heißt es jetzt in einer Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Dr. Armin Grau in gleicher Sache.

Gleichwohl sei beabsichtigt, heißt es in der Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Tino Sorge (CDU) „zur Klärung dieser Fragestellung mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung sowie den für die Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen zuständigen Aufsichtsbehörden der Länder in den Austausch zu gehen“. Anschließend könnten „erforderlichenfalls geeignete Maßnahmen geprüft werden“, so Sorge weiter.

Wachsender Klärungsbedarf

Im Wortlaut der entscheidenden Passagen nahezu identisch hatte Sorge unlängst bereits eine Anfrage der Grünen-Fraktion zur Terminvergabe gegen Gebühr beantwortet.. Aktuell scheint demnach das Ministerium mit wachsendem Klärungsbedarf in Sachen vertragsärztlicher Pflichterfüllung konfrontiert. Auf die in Graus Anfrage ausdrücklich erwähnten Beispiele privat liquidierter Kassenleistungen, Herz-CT und Knochendichtemessung, geht Sorge allerdings nicht näher ein.

Auf Nachfrage erklärte der Grünen-Politiker, ihm seien Fälle mitgeteilt worden, „in denen die Knochendichtemessung oder die computertomographische Gefäßdarstellung am Herzen gesetzlich Versicherten als Selbstzahlerleistungen angeboten wurden“. Über das Ausmaß dessen habe er jedoch keine Informationen. Grau, „Ich gehe davon aus, dass es sich um Einzelfälle handelt.“ Weitere Aufklärung sei aber „in jedem Falle wichtig.“

Die CT-Koronarangiographie wurde Anfang 2024 vom G-BA für gesetzlich Versicherte freigegeben; einschlägige EBM-Positionen sind seit Anfang 2025 in Kraft. Die Knochendichtemessung ist bei Osteoporoseverdacht und Frakturen ohne adäquates Trauma auf Kasse zulässig sowie seit 2013 auch zur Kontrolle medikamentöser Knochenaufbautherapien. (cw)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema

Übersicht

Eine Agenda für Seltene Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Shared Decision Making ist gerade bei der Diagnostik und Therapie seltener Erkrankungen ein wichtiges Versorgungsprinzip. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Pixel-Shot / stock.adobe.com

Seltene Erkrankungen

Was auch Patienten tun können

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)

Eine Krebspatientin erzählt

„Meine Kinder? Klar sind die geimpft!“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Digitale Integration: In der elektronischen Patientenakte sollen sämtliche Befunde, Verordnungen und Behandlungsstationen eines Patienten gespeichert werden. Den mündigen Umgang damit, müssen viele erst noch lernen.

© Andrea Gaitanides / stock.adobe.com

Datenschutz im Praxisalltag

ePA 2026: Schutzlücken bleiben – wie sie im Alltag umschifft werden können

Ein Arzt tröstet eine Patientin.

© Anastasiya / stock.adobe.com

Kollegialer Rat

Empfehlungen für das Überbringen schlechter Nachrichten