Kommentar – Telemedizinische Betreuung von Herzinsuffizienz-Patienten

Keine Ausreden mehr

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

Mit der TIM-HF2-Studie wurde eine der aufwändigsten kardiologischen Studien, die je in Deutschland stattgefunden hat, erfolgreich beendet: Gut ausgewählte Herzinsuffizienzpatienten profitieren ohne Wenn und Aber von einer ganzheitlichen Fernüberwachung.

In der Vorläuferstudie TIM-HF, in der die Patienten nicht streng selektiert worden waren, hatte die Telemedizin keinen Vorteil gegenüber Standardversorgung gehabt. Dass alle Beteiligten – Fördermittelgeber, Krankenkassen und ein hoch engagierter Studienleiter – damals am Ball blieben, zahlte sich aus.

Der eigentliche Lohn steht aber noch aus: Die Herzinsuffizienztelemedizin muss in die Fläche. Es gibt jetzt bei kognitiv agilen Patienten mit eingeschränkter EF nach Krankenhausaufenthalt wirklich keine Ausrede mehr. Bessere Daten wird es nicht geben. Wer jetzt wieder Feigenblattverträge aus dem Hut zieht, macht sich schuldig.

Die Versorgungsfairness gebietet es, sich auch über jene 30-50 Prozent der Patienten Gedanken zu machen, die die TIM-HF2-Kriterien nicht erfüllen. Bei Patienten mit auffälligem Depressions-Score könnte man angesichts guter Daten zu Online-Psychotherapien an eine telemedizinische "Kombinationstherapie" denken.

Das wäre dann etwas für weitere Studien, darf die Einführung der Telemedizin aber nicht mehr verzögern.

Lesen Sie dazu auch: Telemedizin: Fernüberwachte Patienten mit Herzschwäche leben länger

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