Kommentar zu Bidens geschmiedeter Impfstoff-Allianz

Konsequent in der Sache

Die US-Regierung kümmert sich um die Impfstoffproduktion und nimmt dafür auch Eingriffe in die Privatwirtschaft in Kauf. Respekt.

Christoph WinnatVon Christoph Winnat Veröffentlicht:

Halb zog sie ihn, halb sank er hin. Aus der Ferne lässt sich schwer ermitteln, wieviel Druck die US-Regierung ausüben musste, um die Allianz zwischen Johnson & Johnson und Wettbewerber Merck & Co. zu schmieden. Während die Gesundheitsbehörde BARDA mehrfach betont, Präsident Biden habe den dirigistischen „Defense Production Act“ aktiviert, um die Herstellung des vektorbasierten Corona-Impfstoffs von Janssen nachhaltig anzukurbeln, ist bei Merck um einiges freundlicher von einem „Agreement“ die Rede.

Wie auch immer: Am Ende präsentiert sich der frischgewählte Präsident der kapitalistischen Flaggschiff-Wirtschaft als Macher, der die Probleme entschlossen angeht, statt sich hinter heiligen ideologischen Kühen zu verschanzen oder in gebetsmühlenhafter Pandemieerklärung zu verlieren.

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Mehr Pragmatismus dieser Art wäre auch hierzulande wünschenswert – und trotz aller Wertschätzung europäischer Solidarität auch möglich. Dass trotz erwarteter und schon früh zu Protokoll gegebener anfänglicher Impfstoffknappheit kein nationales Produktions-Backup aufgebaut wurde, ist nun nicht mehr zu ändern. Zweifellos haben die Bundesregierung und insbesondere der Bundesgesundheitsminister dafür schon zu Genüge mediale Prügel kassiert.

Doch die Impfkampagne ist ja noch lange nicht vorbei. Wenn der Nachschub in den kommenden Wochen wie versprochen nicht nur rollt, sondern wie von Brüssel und Berlin behauptet auch zunimmt, werden sich neue Nadelöhre auftun, an denen die ersehnte Herdenimmunisierung ins Stocken geraten kann.

Dann wäre es vielleicht hilfreich, sich daran zu erinnern, wie konsequent in der Sache man in Washington Prioritäten setzt, um den Impfstoff auf die Straße zu bringen.

Schreiben Sie dem Autor: christoph.winnat@springer.com

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