SARS-CoV-2

Laborärzte gegen Antigentests bei Großveranstaltungen

Noch sind Antigentests nicht bereit für die Routineanwendung. Doch sie könnten bald so weit sein, glauben Labormediziner. Sie wären aber auch kein Allheilmittel.

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Abstriche werden am Institut für Virologie der technischen Universität München (TUM) für die weitere Analyse vorbereitet. In Zukunft könnten in den Labors zusätzlich zu PCR- und Antikörpertests auch vermehrt Antigentests analysiert werden, um SARS-CoV-2 zu diagnostizieren. (Archivbild)

Abstriche werden am Institut für Virologie der technischen Universität München (TUM) für die weitere Analyse vorbereitet. In Zukunft könnten in den Labors zusätzlich zu PCR- und Antikörpertests auch vermehrt Antigentests analysiert werden, um SARS-CoV-2 zu diagnostizieren. (Archivbild)

© dpa

Berlin. Auf eine schnelle Entwicklung der Antigentests auf SARS-CoV-2 für die Routine-Anwendung hoffen die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e.V.). Sie könnten zu einem Element einer neuen Teststrategie werden, hieß es auf einer Pressekonferenz am Dienstag. Aber: „Der neue Antigentest ist nicht für die Massentestung geeignet“, so ALM-Vorstand Professor Jan Kramer. Auch wenn das Ergebnis des Antigen-Tests in 20 Minuten vorliege, bleibe es doch eine Einzeltestung wie PCR-Tests. Kramer: „Das kann man für 10 bis 15 Leute machen, nicht für 2000.“

Tests sind noch zu evaluieren

Man begrüße, dass zu den vorhandenen PCR-Tests, die den direkten Nachweis der Virus-RNA ermöglichen, und den Antikörper-Tests, die die körpereigene Reaktion des Immunsystems abbilden und damit ein indirekter Nachweis sind, nun auch Antigentests, die einen direkten Nachweis von Virusproteinen ermöglichen, hinzu zu bekommen; so der ALM Vorstandsvorsitzende Dr. Michael Müller. Dies ergänze die Teststrategie um die dritte bislang fehlende Säule.

Allerdings müsse man die Tests noch evaluieren, schränkt ALM-Vorstandsmitglied Evangelos Kotsopoulos ein. Teilweise basierten die Studiendaten der neuen Tests auf weniger als 100 Datensätzen, was sehr wenig sei. Er rechnet damit, dass die neuen Schnelltests vor allem für Kliniken eingesetzt werden, bei denen man sehr schnell über eine eventuelle Infektion Sicherheit haben müsse. Aber es handele sich weiter um einen „Antigentest, der im Labor gemacht wird“. Nicht zu vergessen sei auch, dass ein positiver Antigentest mit einem PCR-Test bestätigt werden sollte.

Bei der Frage, nach einem Preis für den Antigentest schätzt Kotsopoulos eine Preisspanne von etwa zehn bis zwölf Euro. Auf jeden Fall werde der Antigentest „wesentlich günstiger“ als der PCR-Test, auch wenn dies nicht mit einer Entlastung bei den Testmaterialien verbunden sein werde, denn die benötige man wie beim PCR-Test auch.

Laborärzte begrüßen neue nationale Teststrategie

Die Anpassung der nationalen Teststrategie vom Dienstag sei eine „richtige und wichtige Entscheidung“, so Müller. Nun werde nicht mehr jeder Reiserückkehrer getestet, sondern nur asymptomatische Personen, die sich in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben.

Auch der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Dr. Klaus Reinhardt hat sich gegen großflächige Corona-Tests ausgesprochen. Im Bayerischen Rundfunk sagte Reinhardt, ein solches Vorgehen sei völlig falsch und eine Verschwendung von Laborressourcen. Man solle die Tests angesichts der niedrigen Positivrate auf Orte beschränken, an denen eine erhebliche Gefahr bestehe. Als Beispiel nannte Reinhardt Altenheime, Reha- und Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser. Abgesehen davon solle man mehr anlassbezogen testen, also wenn jemand Kontakt zu einem Infizierten hatte oder Symptome zeigt. Seit Dienstag müssen Urlauber, die aus Nicht-Risikogebieten zurückkehren, ihre Tests in fast allen Bundesländern selbst bezahlen. Nur in Bayern bleiben sie kostenlos.

Auslastung der Laborkapazitäten weiter sehr hoch

In der Kalenderwoche 37 wurden laut der wöchentlichen Datenauswertung des ALM, an der 109 ALM-Mitgliederlabore und 49 weitere Labore bundesweit teilnehmen, insgesamt 1.017.728 PCR-Tests vorgenommen, von denen 0,88 Prozent und damit 8999 Tests ein positives Ergebnis hatten. Die Auslastung der Laborkapazitäten habe 89 Prozent betragen, so der ALM, wobei es regionale Schwankungen gebe und sich die Auslastung insgesamt weiterhin an der Kapazitätsgrenze befinde. (syc, af)

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