Patientengespräch

Leitfaden gegen die Vergesslichkeit

Patienten behalten nur einen Bruchteil der Infos aus dem Arztgespräch. Gesprächsvorlagen sollen das ändern.

Veröffentlicht: 26.11.2014, 08:17 Uhr

BERLIN. Insbesondere für chronisch-kranke Patienten ist ein gewisses Selbstmanagement wichtig. Doch damit das so genannte "Patient Empowerment" auch funktioniert, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Eine der Wichtigsten ist, dass der Patient überhaupt die Möglichkeit hat, die Informationen, die er vom Arzt erhält, auch tatsächlich aufzunehmen.

"Studien zeigen, dass beim Patienten, gerade einmal 30 Prozent von dem, was der Arzt gesagt hat, hängen bleiben, wenn er die Praxis verlässt", sagte Rainer Sbrzesny von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) auf einer gemeinsam von KBV und Bundesärztekammer (BÄK) veranstalteten Fachtagung zur Arzt-Patienten-Kommunikation in Berlin.

Christine Rosinsky-Stöckmann, die als "Patient Partner" für die Deutsche Rheuma-Liga Medizinstudenten und Ärzte in Sachen Kommunikation schult und selbst Rheumapatientin ist, nannte sogar noch drastischere Zahlen: "Aus meiner eigenen Erfahrung als Patientin sind es sogar nur zehn Prozent."

Das liege daran, dass sich der Patient in einer Ausnahme- und Belastungssituation befinde, erklärte Sbrzesny. Sein Tipp: "Arbeiten Sie mit konkreten Beispielen." Das habe er durch die Anfragen von Patienten selbst zu Kostenerstattungsthemen bei der Unabhängigen Patientenberatung gelernt.

Da man im Behandlungsalltag nicht immer das passende Beispiel aus dem Hut zaubern kann, rät er den Praxisteams, sich Kommunikationsvorlagen zu erstellen und mit diesen vielleicht auch in Rollenspielen die Gesprächsführung zu trainieren. "Legen Sie sich so eine Gesprächsvorlage für Schmerzpatienten oder Burn-out-Patienten vorab an."

Auch am Thema Internet kommen Ärzte nicht mehr vorbei. Wenn Patienten in einem Webportal unter einem Alias-Namen Kritik übten, sei dies "immer auch Ausdruck einer Vertrauenskrise zwischen Arzt und Patient", sagte BÄK-Vizepräsident Dr. Max Kaplan.

"Statt offen Lob und Tadel von Angesicht zu Angesicht anzusprechen, wird niederschwellig eine subjektive Meinungsäußerung im Netz abgegeben." Kaplan sieht hier eine gewisse Fehlentwicklung in der Kommunikation, der sich die Ärzte stellen müssten. (reh)

Lesen Sie dazu auch: Projekt: Was Ärzte von ihren Patienten lernen können

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