Günstige Praxen

Lockmittel für den Ärztenachwuchs?

Junge Ärzte, die sich selbstständig machen wollen, haben derzeit gute Karten: Sie werden an vielen Orten dringend gesucht. Was für abgebende Ärzte ein Problem ist, ist für den Nachwuchs ein Vorteil.

Von Sabine Schiner Veröffentlicht:
Modern eingerichtete Praxen finden eher Interesse bei jungen Ärzten, als Praxen, in denen lange nicht investiert worden ist.

Modern eingerichtete Praxen finden eher Interesse bei jungen Ärzten, als Praxen, in denen lange nicht investiert worden ist.

© fhmedien_de / fotolia.com

MANNHEIM. Viele junge Ärzte, die sich niederlassen wollen, streben heute eine Praxiskooperation an. Das liegt derzeit im Trend. Aber es gibt auch immer noch Ärzte, die in einer Einzelpraxis ihr eigener Herr bleiben wollen.

Das wurde auf einem Seminar für Existenzgründer der Deutschen Bank in Mannheim deutlich. Eine weitere Botschaft: Der Markt für abzugebende Praxen ist derzeit eindeutig ein Käufermarkt - die Preise sind unter Druck.

Die Kieferorthopädin ist 36 und arbeitet als Angestellte in einer Praxis in Hessen. Sie wäre gerne ihre eigene Chefin, zögert aber mit der Entscheidung, sich selbstständig zu machen: "Ich muss das ja auch noch mit der Familienplanung auf die Reihe kriegen."

Ein Augenarzt, der in einer Gemeinschaftspraxis in Rheinland-Pfalz mitarbeitet, sieht hingegen seine Chancen auf eine Einzelpraxis steigen, wenn 2013 die Bedarfsplanung neu geregelt und kleinräumig geplant wird.

Nachrücker-Problematik

Der Praxisberater Oliver Frielingsdorf aus Köln spricht seinen Zuhörern Mut zu. "Die Preise der Praxen sinken, der Markt ist günstig und kommt Ihnen entgegen."

In den nächsten Jahren werden viele Ärzte in den Ruhestand gehen - und es fehle an Nachwuchs. Eine Nachrücker-Problematik gebe es vor allem bei Haus- und Augenärzten, bei Gynäkologen und Nervenärzten.

"Wenn viele Ärzte ihre Praxen anbieten und die Nachfrage gering ist, dann sinken folgerichtig auch die Kaufpreise", so Frielingsdorf.

Es gebe derzeit einige Schmuckstücke - alteingeführte, rentable Praxen - die aufgrund mangelnder Nachfrage nicht verkauft werden könnten. Die besten Perspektiven haben Ärzte nach Meinung des Praxisberaters, wenn sie sich in unterversorgten Gebieten niederlassen.

Bei den Stichworten Bedarfsplanung und Unterversorgung werden viele Seminarteilnehmer hellhörig. Bietet der Gesetzgeber ab dem kommenden Jahr doch einige neue Möglichkeiten auf dem Land und in den Städten.

Frielingsdorf erklärt die Situation am Beispiel Köln. Im Norden der Stadt gebe es derzeit einen Mangel an Kinderärzten. "Viele sind weggezogen in bessere Wohnviertel."

Ärzte haben Top-Bonität

Dennoch gelte Köln derzeit als überversorgt, was Praxisgründungen unmöglich mache. Mit einer kleinteiligeren Planung könnte eine Niederlassung wieder möglich sein.

Frielingsdorf verweist zudem auf die Anreize des Gesetzgebers für Ärzte, die sich in unterversorgten Gebieten niederlassen, wie etwa die Aufhebung der Regelleistungsvolumina und der Residenzpflicht oder Investitionszuschüsse.

"Das kann sich lohnen", so die Einschätzung des Praxisberaters. Sein Rat: Nichts überstürzen. Aufgrund der neuen Regelungen würden alle, die sich im ersten Halbjahr 2013 niederlassen, zu Pionieren: "Warten Sie die zweite Jahreshälfte ab, bis dahin hat sich manches eingespielt."

Henning List, Betriebswirt und Heilberufeberater der Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG, ermuntert Ärzte dazu, sich selbstständig zu machen. Mediziner haben nach seinen Erfahrungen eine Top-Bonität.

Wenn Arztpraxen in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, liege dies eher an privaten Ausgaben und nicht am Geschäft selbst. Die Deutsche Bank habe mehr als 43.000 Ärzte und Zahnärzte als Kunden und biete abgestimmte Finanzlösungen für Existenzgründer.

"Nehmen Sie sich auf jeden Fall einen guten Steuerberater, der auf Heilberufler spezialisiert ist", empfiehlt List. Wichtig sei auch, rechtzeitig Kontakt zur Bank für ein Strategie- und Grundsatzgespräch aufzunehmen, um in Ruhe planen zu können.

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