Gesundheitsmanagement

Noch großes Potenzial in Betrieben

Die Gesundheit und -erhaltung seiner Belegschaft lohnt sich für jeden Betrieb. Doch schöpfen viele die Möglichkeiten des Betrieblichen Gesundheitsmanagements noch nicht aus, mahnen zum Beispiel die Betriebs- und Werksärzte.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement gehört auch, potenzielle Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz direkt zu identifizieren.

Zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement gehört auch, potenzielle Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz direkt zu identifizieren.

© VDBW

NEU-ISENBURG. Stress, Dauersitzen, Fehlbelastungen - wer viel arbeitet, tut seiner Gesundheit nichts Gutes. Das wissen auch viele Unternehmen und wollen die Fitness ihrer zunehmend älter und multimorbider werdenden Belegschaft im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) mit Sportangeboten fördern.

Bereits heute kosten die krankheitsbedingten Fehlzeiten der Mitarbeiter in Unternehmen die Kassen jedes Jahr etliche Milliarden. Im angepeilten Präventionsgesetz sollen die Kassen deshalb dazu verpflichtet werden, jeweils zwei Euro für betriebliche Gesundheitsförderung und Maßnahmen in anderen "Settings" auszugeben.

Im Jahr 2013 wurden laut Präventionsbericht des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherungen deutschlandweit rund 10.000 Betriebe bei der Gesundheitsförderung unterstützt - ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Rund 1,1 Millionen Arbeitnehmer erreichten die Kassen damit.

Stellschraube Unternehmenskultur

"Wir merken erfreulicherweise, dass das Thema einen Aufschwung nimmt", sagt Dr. Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte. An einer breiten Akzeptanz fehle es aber noch.

Deshalb sollten Bewegung und Gesundheit stärker in der Firmenkultur verankert werden. "Es muss klar sein, dass es gewünscht ist, dass die Beschäftigten auch mal um den Block gehen und sich fit halten", so die Betriebsärztin.

Beim Sportartikel-Hersteller Adidas können sich die Mitarbeiter aus Hunderten Kursen ihr Programm zusammenstellen und sich jährlich an Dutzenden Sportveranstaltungen beteiligen. Ein flexibles Arbeitszeitmodell schafft Freiräume für Fitness.

Auch der Autobauer BMW betreibt ein umfangreiches BGM mit zahlreichen Angeboten, von firmeneigenen Fitnessstudios über jährliche Winter- und Herbstsporttage bis hin zu einer eigenen Gesundheitsmesse, die durch die deutschen Werke tourt.

"Auch ältere Beschäftigte nehmen an den Angeboten eifrig teil", sagt ein BMW-Sprecher.

Langfristig dürfte sich das positiv auf den Krankenstand auswirken und dazu beitragen, dass qualifizierte Mitarbeiter möglichst lange im Unternehmen bleiben.

Jede dritte Firma setzt auf BGM

Bereits jeder dritte Arbeitgeber bietet laut Experten seinen Beschäftigten im Rahmen des BGM Fitness- oder Sportangebote zu vergünstigten Tarifen an. Tendenz 2015: Stark steigend.

Diese Prognose ergibt sich aus den zehn Haupttrends im Bereich Fitness für 2015, die der Deutsche Sportstättenverband (DSSV), der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen, gemeinsam mit der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement identifiziert haben.

Für Haus- und Fachärzte bietet sich je nach Qualifikation auch unabhängig von der Kooperation mit einem Studio die Zusammenarbeit in Sachen BGM mit vor allem kleineren und mittelständischen Unternehmen (KMU) an, da diese häufig nicht über eigene betriebsärztliche Abteilungen verfügen. Diese Leistungen sind vom jeweiligen Arbeitgeber auf GOÄ-Basis zu vergüten.

Wie die letztjährige Studie "Einfluss des HR-Managements auf den Unternehmenserfolg" der Personalberatung Rochus Mummert ergab, ist das Betriebliche Gesundheitsmanagement - trotz aller Bemühungen, es als Aushängeschild zum Anwerben von qualifiziertem Nachwuchs zu nutzen - nur in knapp der Hälfte der Unternehmen als eine übergeordnete Führungsaufgabe definiert und damit in die Unternehmensstrategie integriert. (mit Material von dpa)

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