Innovationsfonds-Projekt

Online-Therapie bei gestörtem Schlaf

Eine groß angelegte Studie eruiert die Wirksamkeit von Online-Behandlungen bei chronischen Schlafstörungen. Teilnehmen können niedergelassene Ärzte aus Bayern und Baden-Württemberg.

Von Kathrin Handschuh Veröffentlicht: 10.11.2020, 10:45 Uhr
Der Laptop als Einschlafhilfe statt Medikamente?

Der Laptop als Einschlafhilfe statt Medikamente?

© Photographee.eu / stock.adobe.com

Freiburg. In einer groß angelegten Studie untersuchen Experten seit Mitte Oktober die Wirksamkeit einer kognitiven Online-Verhaltenstherapie bei Schlafstörungen. In dem auf vier Jahre angelegten Innovationsfondprojekt „Get Sleep“ arbeiten Wissenschaftler des Instituts für Allgemeinmedizin vom Universitätsklinikum Freiburg, Psychologen vom E-Health-Anbieter HelloBetter, die Barmer und weitere Partner daran, die Versorgungseffizienz für Betroffene mit chronischen Schlafstörungen zu verbessern.

Ziel ist es, den Medikamentenverbrauch im Vergleich zur Standardtherapie zu reduzieren. Allgemeinmediziner aus Bayern und Baden-Württemberg können ab sofort Patienten für das Projekt einschreiben.

Studien zufolge leide etwa jeder zehnte Deutsche unter Ein- oder Durchschlafstörungen. Mit „Get Sleep“ sollen neue Erkenntnisse über eine so genannte Stepped-Care-Lösung (Vorgehen in mehreren Stufen) gewonnen werden. Im Fokus steht ein therapeutengestütztes, internetbasiertes Training, das auf der kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnien basiert.

Therapie in drei Stufen

Die Behandlung erfolgt in drei Stufen: Zunächst werden durch den Hausarzt grundlegende Informationen zu Schlaf und Schlafstörungen sowie „schlafhygienische Regeln“ vermittelt. Tritt keine Besserung ein, folgt nach vier Wochen eine kognitive Verhaltenstherapie. In ihr lernen die Teilnehmenden online am Computer oder per Smartphone individuelle Techniken, um ihren Schlaf zu verbessern. Führen auch diese Maßnahmen nicht zu signifikanten Verbesserungen, erhalten die Teilnehmer eine ambulante psychotherapeutische, psychiatrische oder schlafmedizinische Fachbehandlung.

Verläuft die Evaluation im Anschluss an die Studie positiv, könne das neue Vorgehen in die Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses und somit in die Regelversorgung aufgenommen werden, heißt es in der Mitteilung von HelloBetter.

Insgesamt sollen an der Studie mehr als 4000 Patientinnen und Patienten teilnehmen. Neben dem Schweregrad der Insomnie werden die Veränderungen in anderen schlafbezogenen Parametern, körperliche Symptome, Kosten und mögliche negative Effekte untersucht.

Die Aufnahme in das neue Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) sei derzeit noch nicht beantragt, hieß es auf Anfrage. Informationen zu dem Projekt gibt es unter www.getsleep.de. (kaha)

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