Direkt zum Inhaltsbereich

Gesetzgebung

Bundestag beschließt Apothekenreform

Sozialrechtliche Preisbremse für Rx-Produkte, eine regelmäßige Vergütung für Apotheken-Bringdienste und die Einführung pharmazeutischer Dienstleistungen in den GKV-Katalog: Die Apotheken können sich über die jüngste Branchenreform nicht beklagen. Kassen und Versandapotheken aber schon.

Christoph WinnatVon Christoph Winnat Veröffentlicht:
Das Botendiensthonorar steht vor der Tür. Apotheken sollen künftig je Tag und Lieferort 2,50 Euro erhalten.

Apotheken bringens künftig öfter an die Haustür: Lieferungen verschreibungspflichtiger Produkte werden ab 2021 mit 2,50 Euro je Ort und Tag honoriert.

© the rock / stock.adobe.com

Berlin. Am Donnerstag hat der Bundestag in den Abendstunden das Vor-Ort-Apothekenstärkungsgesetz (VOASG) verabschiedet. Das Reformpaket enthält neben einem sozialrechtlichen Verbot, Zugaben im Rezeptgeschäft zu gewähren, auch die Einführung eines Botendiensthonorars für Apotheken zum kommenden Jahr sowie einen Anspruch gesetzlich Versicherter auf – nicht näher konkretisierte – „pharmazeutische Dienstleistungen“.

Das Botendiensthonorar war zunächst anlässlich der Corona-Krise mit 5,- Euro je Auslieferung verschreibungspflichtiger Medikamente an die Haustüre beschlossen und bis Ende September befristet worden. Nun soll es mit 2,50 Euro (zuzüglich Umsatzsteuer) „je Lieferort und Tag“, wie es im Gesetz heißt, verstetigt werden.

Begründung: Die Vergütung sei „notwendig, um insbesondere in Regionen mit geringerer Apothekendichte eine Versorgung mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sicherzustellen.“ Zudem trügen lokale Lieferdienste zur Versorgungssicherheit einer zunehmend älter werdenden Kundschaft bei.

Knieps: Honorar zu hoch

Von den Versandapotheken wird das Botendiensthonorar als einseitige Förderung der stationären Konkurrenz verworfen. Sie haben außerdem bereits Klage auf EU-Ebene gegen die sozialrechtliche Absicherung der Rx-Preisbindung angekündigt.

Kritik rührt sich aber auch von Kassenseite. Eine gesonderte Bezahlung der persönlichen Medikamentenlieferung „über die Corona-Pandemie hinaus halten wir nicht für erforderlich“, ließ am Mittwoch Franz Knieps, Vorsitzender des BKK-Dachverbandes, verlauten. Zudem seien „2,50 Euro je Botendienst zu hoch“.

Aus einer repräsentativen Online-Umfrage des BKK Dachverbandes, an der sich nach dessen Angaben 3000 Bundesbürger ab 18 Jahren beteiligt haben, geht hervor, dass lokale Bringdienste beim Publikum auf positive Resonanz stoßen – bei Jüngeren sogar noch etwas mehr als bei Älteren. Für 33 Prozent der Befragten, heißt es, sei „der Liefer- und Botendienst interessant“.

Bei den Jüngeren (18-29 Jahre) wurden 37 Prozent Zustimmung ermittelt, bei den 30- bis 49-Jährigen 34 Prozent und bei den über 50-Jährigen Befragten, die offenbar überwiegend noch gut zu Fuß sind, 31 Prozent.

Gegenüber einer weiteren Neuerung im Apothekenportfolio, der Impfung, zeigten sich die Befragten weit weniger aufgeschlossen. In Modellprojekten in Nordrhein und dem Saarland wird bereits in Offizinen gegen Grippe geimpft.

60 Prozent Impfwillige

Für den Fall, dass eine Impfung gegen SARS-CoV-2 möglich wird, würden sich die meisten jedoch lieber beim Arzt (89 Prozent der Befragten) präventiv pieksen lassen, 20 Prozent beim Öffentlichen Gesundheitsdienst und 17 Prozent bei Betriebsärzten. Lediglich zehn Prozent der Impfwilligen unter den Befragten können sich vorstellen, zu diesem Zweck auch in die Apotheke zu gehen.

60 Prozent der BKK-Umfrage-Teilnehmer kreuzten an, sich „wahrscheinlich“ oder „sehr wahrscheinlich“ gegen Corona impfen zu lassen. Zu den weiteren Elementen des Vor-Ort-Apothekenstärkungsgesetzes zählen unter anderem

  • der bereits erwähnte Anspruch gesetzlich Versicherter auf „pharmazeutische Dienstleistungen“; dem Apothekerverband DAV und dem GKV-Spitzenverband wird aufgegeben, einen Katalog zu vereinbaren. Im Gesetz ist inhaltlich nicht mehr bestimmt, als dass diese Dienstleistungen der Arzneimitteltherapiesicherheit, der Compliance oder der Prävention dienen sollen.
  • Erstmals werden Medikamenten-Abgabeautomaten zugelassen, wenngleich streng reglementiert. Sie dürfen nur in Apothekenräumen und nur zum Auswurf vorbestellter Präparate nach bereits erfolgter Beratung betrieben werden.
  • Auch EU-Versandapotheken, die nach Deutschland liefern, müssen künftig produktspezifische Temperaturanforderungen einhalten und dies durch mitgeführte Temperaturkontrollen belegen können. Diese Anforderung galt bisher nur für inländische Versandapotheken.
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

GBA-Beschluss

Neue Vorgaben zur Corona-Impfung gesetzlich Versicherter in Kraft getreten

Das könnte Sie auch interessieren
Gut organisiert in die Grippesaison starten

© Abraham Gonzalez Fernandez | Getty Images

Impfmanagement

Gut organisiert in die Grippesaison starten

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

© Lu ShaoJi | Getty Images

Grippeimpfstoff-Forschung

Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Holzklötze mit Symbolen für verschiedene Versicherungsarten, dahinter eine Person im weißen Hemd.

© REDPIXEL / stock.adobe.com

Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BeOne Medicines Germany GmbH
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Auf einer Waage befindet sich ein Apfel sowie ein Maßband, daneben lieben Hanteln und ein grüner Blattsalat

© Davizro Photography / stock.adobe.com

Early-onset-Diabetes

Jeder zweite junge Erwachsene erreicht Diabetesremission

 erschöpfter Malermeister

© Adobe Firefly / Andrea Schudok / generated by AI

Kasuistik

Schwindel und Leistungsknick: Was sehen Sie im EKG?

Ältere Frau sitzt auf dem Boden und hält sich den Kopf.

© LIGHTFIELD STUDIOS / stock.adobe.com

Stürze vermeiden!

Synkopen wegen Blutdruck-Schwankungen: Worauf es dann ankommt