Struktur im Gespräch beugt Medikationsfehlern vor

Vor allem ältere Patienten sind oft überfordert, wenn es um ihre Medikation geht. Abhilfe können hier strukturierte Gespräche mit den Patienten schaffen - und zwar schon vor der Verordnung.

Von Claudia Bruhn Veröffentlicht:
Aufklärungsgespräche über die Verordnungen können helfen, Patienten Unsicherheiten zu nehmen.

Aufklärungsgespräche über die Verordnungen können helfen, Patienten Unsicherheiten zu nehmen.

© ISO K° photography / fotolia.com

BERLIN. "Die Informationen, die Patienten in der Hausarztpraxis zur Medikation erhalten, entsprechen oft nicht denen, die sie benötigen, um im Alltag zurechtzukommen,", so Dr. Cornelia Mahler vom Universitätsklinikum Heidelberg. Bei einem Kongress für Patientensicherheit in Berlin regte die Ärztin daher an, mit Patienten regelmäßig strukturierte Arzneigespräche zu führen.

Mahler und ihre Kollegen haben 2007 eine Patientenbefragung im Rahmen des Projekts "HeiCare® - sektorübergreifende Harmonisierung der Arzneimitteltherapie" ausgewertet. Dabei füllten knapp 600 AOK-Patienten mit einem Durchschnittsalter von 70 Jahren einen Fragebogen aus. Ziel war es herauszufinden, wie zufrieden die Patienten mit den Informationen waren, die sie vom Arzt zu ihrer Arzneimitteltherapie erhalten.

Die Auswertung der Fragebögen ergab, dass Arzneimittelgespräche beim Arztbesuch nur in geringem Umfang stattfinden und dass meist eher Aspekte der Anwendung erläutert werden. Die Patienten äußerten sich zudem unzufrieden darüber, dass sie zu wenig Gelegenheit haben, mit dem Arzt über ihre Bedenken zu möglichen Neben- und Wechselwirkungen zu sprechen. Viele Patienten wünschten sich mehr Zeit, um eigene Bedenken und Vorstellungen zu ihrer medikamentösen Therapie äußern zu können.

Mahler empfahl als Ansatz zur Problemlösung, in der Arztpraxis strukturierte, regelmäßig Arzneimittelgespräche zu führen: bei Patienten über 75 Jahre einmal pro Jahr, bei Verordnung von mehr als vier Medikamenten sogar alle sechs Monate sowie grundsätzlich nach jedem Klinikaufenthalt.

Folgende fünf Aspekte sollten in diese Gespräche einfließen:

  • Haben die Patienten die Medikamente vertragen?
  • Haben sie weitere Medikamente (Selbstmedikation!) eingenommen?
  • Überprüfen, ob sie die die Anweisungen verstanden haben
  • Informationen individuell an Patienten anpassen
  • Mögliche Ängste und Bedenken erfragen und besprechen.

"Der Arzt muss die Arbeit auch nicht allein machen - Medizinische Fachangestellte oder Pflegekräfte können ihn dabei unterstützen", empfahl Mahler. So könne beispielsweise bereits vor dem Arzttermin die komplette Medikation erfasst und in einem strukturierten Fragebogen festgehalten werden. Mit dieser Vorgehensweise gebe es in Heidelberg bereits gute Erfahrungen unter anderem bei Herzinsuffizienz-Patienten.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Interview zum Vertragsarztrecht

Regress-Prävention: Wie Ärzte Formfehlern aus dem Weg gehen

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Übersichtsarbeit

Lipödem: Welche Therapie am besten hilft

Prävention kardiometabolischer Risiken

Wie hochintensives Intervalltraining Herz und Lungen stärkt

Lesetipps
Illustration der Schilddrüse

© magicmine / Getty Images / iSt

DEGAM-Leitlinie

So sollten Sie bei Schilddrüsenknoten vorgehen

Eine Ärztin fühlt an einem Tisch einen Zettel für die Untersuchung einer von ihr entnommenen Blutprobe durch.

© Pixel-Shot / stock.adobe.com

„Demenz-Uhr“ erstellt

Bluttest könnte Alzheimerbeginn vorhersagen