Telemedizin hilft Transplantierten

Ein Telemedizinprojekt für Patienten nach Leber- und Nierentransplantationen soll die Therapietreue stärken. Bei Erfolg wird es in die Regelversorgung überführt.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

BERLIN. Die Unikliniken Freiburg und Straßburg haben ein neues Telemedizinprojekt gestartet. Es soll die Lebensqualität von Patienten nach Nieren- und Lebertransplantation steigern und die Gefahr der Transplantatabstoßung verringern.

In Freiburg konzentriert sich das Projekt auf Patienten, die eine AB0-inkompatible Lebendspende einer Niere bekommen haben. In Straßburg nehmen Patienten nach Lebertransplantation teil.

Bei Patienten mit blutgruppeninkompatibler Lebendspende seien eine hohe Therapietreue und eine engmaschige Überwachung eminent wichtig, betonte Silvia Hils vom Transplantationszentrum des Freiburger Uniklinikums.

Täglicher Fragebogen

Umgekehrt wollten die oft jungen Patienten natürlich trotzdem so frei wie möglich leben. Die Telemedizin soll bei diesem Spagat helfen.

Das Modell sieht vor, dass in Freiburg zunächst 25 Patienten mit Transplantatniere täglich einen elektronischen Kurz-Fragebogen an das Transplantationszentrum versenden.

Dabei werden einige Parametern abgefragt, die ein Transplantatversagen anzeigen und Rückschlüsse über die medizinische Gesamtsituation erlauben.

Videokonferenzen mit dem Patienten

"Die Eingabe erfolgt entweder per Touchscreen oder über ein digitales Pen & Paper-System, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden", so Hils bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin (DG Telemed).

Bei Problemen können Videokonferenzen zwischen Patienten und Betreuern geschaltet werden. Erster Ansprechpartner ist eine eigens für dieses Projekt angestellte examinierte Krankenschwester mit Transplantationserfahrung.

Die Interventionsgruppe wird verglichen mit einer Kontrollgruppe von ebenfalls 25 Patienten. Weitere 50 Patienten steuern die Straßburger bei. Die Zuteilung zu den Gruppen erfolgt randomisiert.

Im Idealfall Kosten sparen

Endpunkte sind unter anderen Rate und Dauer ungeplanter Folgeaufenthalte in Kliniken, die Dauer bis zum Auftreten einer Abstoßungsreaktion, die Zahl der Fahrten des Patienten ins Transplantationszentrum, die Lebensqualität und die Medikamentencompliance.

"Natürlich interessieren uns auch die ökonomischen Effekte", so Hils. Im Idealfall könnte sich durch die verbesserte Nachsorge sogar Geld einsparen lassen.

Ziel sei es, das in der Projektphase 300.000 Euro teure, EU-geförderte Projekt bei erfolgreichem Abschluss in die Regelversorgung zu überführen. Erste Ergebnisse sollen in etwa einem Jahr vorliegen.

Mehr zum Thema

Praxisertrag steigern

Wie Hautarztpraxen mit digitalen Anwendungen dazu gewinnen

Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Die EMA hat eine Empfehlung für einen effizienteren Einsatz des Affenpocken-Impfstoffs Imvanex veröffentlicht. Wird das Präparat nicht subkutan gespritzt, sondern in die Haut, reicht demnach ein Fünftel der herkömmlichen Dosis.

© Sven Hoppe / dpa

Imvanex®

EMA empfiehlt Weg für effizientere Nutzung von Affenpocken-Impfstoff

Noch herrscht im Regierungsviertel zwar Ruhe, untätig sind die Politiker deshalb aber nicht.

© undrey / stock.adobe.com

Die Wochenkolumne aus Berlin

Die Glaskuppel: Die Politik döst nicht

Die monoklonalen Antikörper Tixagevimab und Cilgavimab (Evusheld™) werden zur SARS-CoV-2-Prä-Expositionsprophylaxe bei bestimmten Personengruppen empfohlen.

© LUONG THAI LINH / EPA / picture alliance

SARS-CoV-2-PrEP und Corona-Impfung

STIKO erweitert Evusheld™- und Nuvaxovid-Empfehlung