Telemedizin

Telemedizin hilft Transplantierten

Ein Telemedizinprojekt für Patienten nach Leber- und Nierentransplantationen soll die Therapietreue stärken. Bei Erfolg wird es in die Regelversorgung überführt.

Von Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht: 16.11.2011, 10:59 Uhr

BERLIN. Die Unikliniken Freiburg und Straßburg haben ein neues Telemedizinprojekt gestartet. Es soll die Lebensqualität von Patienten nach Nieren- und Lebertransplantation steigern und die Gefahr der Transplantatabstoßung verringern.

In Freiburg konzentriert sich das Projekt auf Patienten, die eine AB0-inkompatible Lebendspende einer Niere bekommen haben. In Straßburg nehmen Patienten nach Lebertransplantation teil.

Bei Patienten mit blutgruppeninkompatibler Lebendspende seien eine hohe Therapietreue und eine engmaschige Überwachung eminent wichtig, betonte Silvia Hils vom Transplantationszentrum des Freiburger Uniklinikums.

Täglicher Fragebogen

Umgekehrt wollten die oft jungen Patienten natürlich trotzdem so frei wie möglich leben. Die Telemedizin soll bei diesem Spagat helfen.

Das Modell sieht vor, dass in Freiburg zunächst 25 Patienten mit Transplantatniere täglich einen elektronischen Kurz-Fragebogen an das Transplantationszentrum versenden.

Dabei werden einige Parametern abgefragt, die ein Transplantatversagen anzeigen und Rückschlüsse über die medizinische Gesamtsituation erlauben.

Videokonferenzen mit dem Patienten

"Die Eingabe erfolgt entweder per Touchscreen oder über ein digitales Pen & Paper-System, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden", so Hils bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin (DG Telemed).

Bei Problemen können Videokonferenzen zwischen Patienten und Betreuern geschaltet werden. Erster Ansprechpartner ist eine eigens für dieses Projekt angestellte examinierte Krankenschwester mit Transplantationserfahrung.

Die Interventionsgruppe wird verglichen mit einer Kontrollgruppe von ebenfalls 25 Patienten. Weitere 50 Patienten steuern die Straßburger bei. Die Zuteilung zu den Gruppen erfolgt randomisiert.

Im Idealfall Kosten sparen

Endpunkte sind unter anderen Rate und Dauer ungeplanter Folgeaufenthalte in Kliniken, die Dauer bis zum Auftreten einer Abstoßungsreaktion, die Zahl der Fahrten des Patienten ins Transplantationszentrum, die Lebensqualität und die Medikamentencompliance.

"Natürlich interessieren uns auch die ökonomischen Effekte", so Hils. Im Idealfall könnte sich durch die verbesserte Nachsorge sogar Geld einsparen lassen.

Ziel sei es, das in der Projektphase 300.000 Euro teure, EU-geförderte Projekt bei erfolgreichem Abschluss in die Regelversorgung zu überführen. Erste Ergebnisse sollen in etwa einem Jahr vorliegen.

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