Klinik-Management

Viele Klinik-Managements vernachlässigen die Hygiene

Investitionen in eine bessere Hygiene lohnen sich für Kliniken, betont der MDK-Spitzenverband - und wirft Krankenhausleitungen Informationsdefizite mit Blick auf DRG vor.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 18.05.2012, 18:30 Uhr

KÖLN. Krankenhausleitungen sollten sich endlich von dem Mythos verabschieden, Investitionen in eine bessere Hygiene würden sich ökonomisch nicht lohnen.

Das fordert Dr. Annette Busley, Fachgebietsleiterin stationäre Versorgung beim Medizinischen Dienst des Spitzenverbands Bund.

"Vermiedene Komplikationen sind unmittelbar erlösrelevant für die Krankenhäuser", sagte Busley auf der MCC-Fachkonferenz "Krankenhausghygiene 2012" in Köln.

Gerade das neue Fallpauschalen-System im Krankenhaus, die diagnosis related groups (DRG), müssten häufig fälschlicherweise als Argument gegen Anstrengungen für eine verbesserte Hygiene herhalten.

Pauschale Vergütung

"Die Behauptung, Hygiene-Maßnahmen würden durch die DRG nicht vergütet, stimmt nicht", sagte Busley. In die Kalkulation der DRG flössen sämtliche Kosten ein, die bei der Behandlung stationärer Kosten entstehen.

Für das Jahr 2012 seien immerhin mehr als vier Millionen Fälle aus 249 Krankenhäusern ausgewertet worden, inklusive zehn Universitätsklinika. "Das ist ein repräsentativer Querschnitt durch die deutschen Krankenhäuser", so Busley.

Die Vergütung erfolge aber nicht mehr für jede einzelne Maßnahme, sondern pauschalierend. Bei Fällen mit einem guten Verlauf könnten die Kliniken positive Deckungsbeiträge erwirtschaften.

Dabei sind die Erlöse höher als die Kosten. Dieses Polster benötigen sie für Fälle mit einem schlechten Verlauf - etwa durch Komplikationen.

"Jede Studie zeigt: Wo Hygiene-Maßnahmen eingeführt werden, gibt es weniger Infektionen", sagte die Ärztin. Das schlage sich in den Kliniken direkt durch niedrigere Kosten nieder. 20 bis 30 Prozent der nosokomialen Infektionen gelten als vermeidbar.

Für die sonst damit verbundenen Kosten könnten die Häuser eine Hygienefachkraft einstellen und ein MRSA-Screening einführen.

"Wenn man gegenrechnet, was es kostet, Komplikationen zu behandeln, dann ist viel Geld da für die Händedesinfektion und viel Geld, um vernünftiges Reinigungspersonal zu beschäftigen", betonte Busley. "Aber das geht nicht in die Köpfe des Managements."

"Verständnis für Hygiene fehlt im Management"

Das bestätigte Dr. Klaus-Dieter Zastrow, Chefarzt des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Vivantes-Kliniken Berlin. "Das Verständnis für Hygiene fehlt häufig im Management."

Mit dem neuen Infektionsschutzgesetz werde sich das aber ändern. Schon allein wegen des gestiegenen Haftungsrisikos für die Klinikleitungen würden sie sich einer Umsetzung der Hygiene-Empfehlungen des Robert Koch Instituts (RKI) zur Prävention nosokomialer Infektionen nicht länger widersetzen.

"Das Infektionsschutzgesetz erspart uns viele Diskussionen", sagte Zastrow.

Die entsprechende RKI-Richtlinie enthalte die wesentlichen Grundlagen für die Hygiene und den Infektionsschutz in den Kliniken. "Das überfordert die Krankenhäuser nicht."

Für den nachhaltigen Erfolg sind aus seiner Sicht vor allem zwei Dinge entscheidend: "Hygiene-Schulungen und ausreichend Personal".

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