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Digitalisierung – oder in den 80ern stecken geblieben?

Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler erinnert sich an die guten alten Zeiten, als sie noch begeistert vor dem Faxgerät stand und in Echtzeit mit ihrer Freundin kommunizierte. Das ist lange her — doch im Gesundheitswesen gehört das Fax oft auch heute noch zur Grundausstattung.

Von Dr. Jessica Eismann-Schweimler Veröffentlicht:

Google ist 20 Jahre alt geworden. Happy birthday! Meine Töchter fragten mich, wie ich, als ich in ihrem Alter war, denn gelebt und gelernt habe, weil es ja kein Google gab. Nun, es gab Bücher, ich konnte mit dem Bus in die Bibliothek fahren und dort Kopien erstellen. Das ging alles, nur eben sehr viel langsamer.

In meiner Jugendzeit gab es auch keine Messenger wie WhatsApp, Threema, Facebook, Instagram, Snapchat und Co., auch die SMS kam erst auf, als ich schon längst studiert habe. Was ich benutzte war das Faxgerät. Diese schnelle Übertragung von viel Information hat mir gefallen.

Ich hatte sogar eine Faxfreundin. Mit der konnte ich innerhalb kürzester Zeit (verglichen mit dem Schreiben und Zustellen eines Briefes) Texte und Bilder austauschen, gedruckt auf sehr glattem Papier, das merkwürdig roch und bald verblasste. Geschrieben habe ich diese Faxe noch mit Hand, denn nicht immer hatte ich die passenden Papierrollen für den Nadeldrucker des Olivetti M24 vorrätig.

Datenschutz ist eine Katastrophe

Eines nur frage ich mich. Bei so viel technischem Fortschritt – warum ist gerade das Faxgerät immer noch „state of the art“ in der Kommunikation im Gesundheitswesen? Die Sicherheit kann nicht das Argument sein, denn auch wenn die Übertragung abhörsicher ist, ist doch der Empfänger unklar: man schickt hochsensible Patienteninformationen an irgendein Faxgerät in einem riesigen Krankenhaus und hofft, dass es schon irgendwie den behandelnden Arzt erreichen wird.

Bestenfalls landen die Papiere im (Daten-)müll, weil sie nicht zugeordnet werden können, schlimmstenfalls hat ein Besucher Zugang zu einem Gerät und kann die Papiere mitnehmen. Und wir reden noch gar nicht davon, dass man sich beim Abschicken des Faxes verwählt und die Patienteninformation an einem ganz anderen Standort ausgedruckt wird.

Wenn diese Form der Datenunsicherheit die Grundlage bildet, dann kann sich die Sicherheit mit Einführung der elektronischen Gesundheitskarte doch eigentlich nur verbessern?

Was hindert also die Entwicklung der elektronischen Gesundheitskarte und -akte? Das sie notwendig sind, liegt auf der Hand: der Patient selbst kann in einer Notsituation keine Auskunft geben und kann er es doch, fehlen oft wichtige Details. „Ich habe den Medikamentenplan vergessen, ich weiß nicht, was ich einnehme, nein, ich habe keine Vorerkrankungen, ja außer dem Krebs“ … Und so weiter.

Es fragt nur keiner nach

Zudem verhindert sie Mehrfachuntersuchungen. Und der Datenschutz? Ist meiner Meinung nach heute auch nicht wirklich gut, da fragt nur keiner nach, weil wir uns an diese Art von Umgang mit Patientendaten gewöhnt haben.

Ich weiß nicht, was da so schwer ist und die elektronische Gesundheitskarte aufhält. Immerhin, den juristischen Kollegen geht es auch nicht besser: die konsequente und reibungslose Umsetzung des elektronischen Rechtsverkehrs lässt (trotz Einführung im Januar 2018) noch immer auf sich warten. Schade, man hätte im medizinischen Sektor ja eine rechtssichere elektronische Kommunikation der Juristen übernehmen können, mit dem Vorteil in diesem Punkt nicht juristisch anfechtbar zu sein.

Also warte ich noch ein bisschen auf die umfassende Digitalisierung der Patientendokumentation. Aber ich werde auch nicht jünger. Leute macht hinne!

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