Big Data und Krankenkassen

Wie umgehen mit den Datenmengen?

Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Viele Krankenkassen nutzen Big-Data-Technologien bereits. Über den Umgang mit den Daten sind sich GKV und PKV allerdings oft unklar.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Das Thema Big Data im Gesundheitswesen birgt Risiken wie den Datenmissbrauch, aber auch Potenziale im Bereich Versorgung.

Das Thema Big Data im Gesundheitswesen birgt Risiken wie den Datenmissbrauch, aber auch Potenziale im Bereich Versorgung.

© scandinaviastock/Fotolia.com

KÖLN. Big-Data-Technologien sind für gesetzliche und private Krankenversicherer kein Fremdwort mehr. Viele nutzen sie bereits oder wollen es in Zukunft tun. Den meisten Unternehmen fehlt allerdings noch eine wirkliche Strategie zum Umgang mit den großen Datenmengen.

Das zeigt eine Untersuchung des Fraunhofer IMW, der Universität Leipzig und der Gesundheitsforen Leipzig.

Danach arbeiten in der PKV deutlich mehr als 80 Prozent der Unternehmen mit Big Data oder planen den Einsatz, in der GKV sind es noch weniger als 80 Prozent.

Grund für den Unterschied sind vor allem die kleinen Krankenkassen mit weniger als 100.000 Versicherten, für die der Umgang mit großen Datenmengen zurzeit noch keine große Relevanz hat. Bei den großen Kassen gibt es bei diesem Thema dagegen kaum Unterschiede zur privaten Konkurrenz.

Unterschiedliche Nutzung der Daten

Basis der Untersuchung ist eine Online-Befragung von 96 Mitarbeitern aus gesetzlichen (76 Prozent) und privaten Krankenversicherern (24 Prozent). Nach ihren Aussagen verfügt zurzeit nur etwa ein Viertel über eine explizite Big-Data-Strategie. Unterschiede zwischen GKV und PKV gibt es dabei nicht.

Bei den Zielen der Nutzung und Gewinnung großer Datenmengen unterscheiden sich die beiden Systeme dagegen. "Aus Sicht der PKV sind vor allem die bessere und schnellere Identifikation von Risiken, der Aufbau strategischer Wettbewerbsvorteile und die Erhöhung der Service- und Versorgungsqualität sehr wichtig", heißt es in der Studie.

Für die GKV stünden dagegen die bessere Planung, Steuerung und Informationsgewinnung sowie der Aufbau strategischer Wettbewerbsvorteile im Vordergrund.

Vorhersage von Krankheitsrisiken

Beim Einsatz von Big Data geht es den Krankenversicherern vor allem um den Bereich Versorgung. Auch Marktaspekte wie die Produktentwicklung, die Vertriebssteuerung oder die Kundenbindung spielen eine Rolle, weniger dagegen administrative Bereiche.

 "Sowohl GKV als auch PKV nutzen Big Data für Prädiktionsmodelle von Krankheitsrisiken und das Versorgungs- und Fallmanagement."

Das Fazit der Wissenschaftler: "Das Schlagwort Big Data ist im Krankenversicherungsmarkt nicht nur ein Trend, sondern bereits heute gängige Praxis." Das Thema bringe zwar viele Risiken wie den Datenmissbrauch mit sich, aber auch enorme Potenziale.

"Viele Versicherer haben die Chance erkannt und ihre intern vorhandenen Datentöpfe kombiniert, um sie auf sinnvolle Muster zu untersuchen."

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