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HINTERGRUND

In der Therapie von behinderten Kindern helfen inzwischen auch Hunde

Von Helga Juli Veröffentlicht:

Wenn Nico seine Finger in Momos Fell bohrt, zeigt der Mischlingshund keine Reaktion. Selbst wenn sich die Hände des behinderten Jungen im Fell des Tieres verkrampfen, bleibt es ruhig. Das hat Momo in seiner zweijährigen Ausbildung zum Therapiehund gelernt. Jetzt unterstützt er sein Frauchen Daniela Hahn bei ihrer Arbeit mit geistig und körperlich behinderten Menschen.

Besser bekannt ist die "tiergestützte Therapie" mit Delphinen oder Pferden. Die 39jährige hat den Hund als Co-Therapeuten ausgebildet, weil sie die Vierbeiner als die belastungsfähigsten Tiere ansieht. Anders als andere Ausbilder setzt Hahn statt auf rassenreine Zuchthunde auf Mischlinge aus Tierheimen und Auffang-stationen in Spanien und Ungarn, die sie mit ihren ehrenamtlichen Helfern nach Deutschland holt und in Pflegefamilien unterbringt.

Manche Ärzte sehen die tiergestützte Therapie kritisch

Manche Ärzte stünden der verhältnismäßig jungen Methode oft kritisch gegenüber, sagt die ehemalige Managerin, die vor drei Jahren mit der tiergestützten Therapie einen beruflichen Neuanfang wagte. Seitdem arbeitet sie für den gemeinnützigen Verein "Geniushof" im Wiesbadener Vorort Kostheim, der die kostspieligen Therapiestunden durch Spenden und Patenschaften finanziert.

Was die Eltern ihrer kleinen Patienten berichten, klingt hingegen oft erstaunlich: "Zuerst dachte ich auch ‚Was für ein Humbug‘, aber jetzt sehe ich, was Nico dadurch alles gelernt hat", sagt der Vater des anderthalbjährigen körperlich behinderten Jungen, der seit den Therapiestunden mit den Hunden etwa frei stehen kann.

Auch die Mutter der neunjährigen Sabrina ist angesichts der Behandlungserfolge von der Tier-Therapie überzeugt. Denn das durch das Angelman-Syndrom, einem Gendefekt, sprach- und entwicklungsgestörte Mädchen kann jetzt allein Treppen laufen und hat neue Laute zu artikulieren gelernt. "Trotzdem sollen die Familien dabei nicht das Gefühl haben, es handle sich um eine Therapiestunde", sagt Hahn, die auch die Angehörigen in ihre Behandlung mit einbezieht.

Wirkung der Therapie ist wissenschaftlich nicht erforscht

Wie tiergestützte Therapie genau wirkt, ist wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen. Dr. Erwin Breitenbach von der Universität Würzburg führt dies vor allem auf den finanziellen Aufwand zurück, da eine Studie mit Experimental- und mehreren Kontrollgruppen viel Geld koste. Der Psychologe, der am Institut für Sonderpädagogik beschäftigt ist, arbeitet gerade im Auftrag des bayerischen Sozialministeriums an einer Studie zur Therapie behinderter Kinder mit Delphinen und mit Nutztieren auf einem Bauernhof. Bis zum Frühjahr kommenden Jahres erhofft sich der 51jährige erste Ergebnisse.

"Die Kinder können mit den Tieren einfach leichter kommunizieren als mit anderen Menschen oder mit den Therapeuten", erklärt sich die Heilpädagogin Claudia Kranz die Wirkung. Die 44jährige arbeitet in der Frühförderstelle des Vereins Lebenshilfe e.V. in Wiesbaden mit Kindern, die an Behinderungen oder Entwicklungsfehlern leiden. Die Arbeit mit den Hunden ergänzt auch hier nur die physiotherapeutische oder logopädische Behandlung.

Selbst wenn ihr Mischlingshund Emily die Ausbildung zum Therapiehund noch nicht abgeschlossen hat, so ist der Hund schon jetzt der Star bei den kleinen Patienten: "Die sprachgestörten Kinder sind unheimlich stolz, wenn der Hund aufs Wort gehorcht und ihre gestenartigen Befehle ausführt", sagt die Pä-dagogin. Zwar hält sie die tiergestützte Therapie nicht für universell einsetzbar, weist aber hygienische und gesundheitliche Einwände von sich, denn "der Erfolg der Therapie macht das Risiko allemal wett".

Die Hunde können aber noch mehr, als bei behinderten Kindern Blockaden zu lösen. Sie helfen Hahn dabei, Phobien zu beseitigen, Lähmungserscheinungen von Schlaganfallpatienten zu lindern und alte vereinsamte Menschen aus der Isolation zu holen, zum Beispiel durch ihre regelmäßigen Besuche in Altenheimen.

Weitere Informationen im Internet unter www.geniushof.de

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