Ärzte Zeitung, 10.10.2016

Euthyreot

Doch Gefahr durch Herztod?

Selbst bei euthyreoten Menschen sind höhere Spiegel an freiem Thyroxin (fT4) im Blut mit einem erhöhten Risiko für plötzlichen Herztod assoziiert. Das legen die Ergebnisse der Rotterdam-Studie nahe.

Von Peter Leiner

ROTTERDAM. Die Rotterdam-Studie ist eine prospektive populationsgestützte Kohortenstudie mit Teilnehmern im mittleren und höheren Alter, in der die Entstehung unter anderem von kardiovaskulären Erkrankungen und deren Auslöser untersucht wird.

Für ihre Untersuchung nutzten Dr. Layal Chaker vom Rotterdam Thyroid Center und ihre Kollegen die Befunde von mehr als 10.300 Studienteilnehmern im Alter von mindestens 45 Jahren (Circulation 2016; 134: 713–722). Ziel der Studie war es, die Assoziation zwischen TSH- und fT4-Werten und dem Risiko für plötzlichen Herztod in der Allgemeinbevölkerung zu bestimmen. Als euthyreot galten Teilnehmer, wenn ihr TSH-Wert zwischen 0,4 und 4,0 mIU / l lag. Der Referenzbereich von fT4 reichte von 0,85 bis 1,95 ng / dl.

Studie mit 10.318 Patienten

Ein Studienausschluss erfolgte bei Werten außerhalb dieses Bereiches. Der plötzliche Herztod war definiert als unerwarteter natürlicher Tod aus kardialer Ursache innerhalb einer Stunde nach Beginn der akuten Symptome, angekündigt durch plötzliche Bewusstlosigkeit. Alle primären Analysen waren alters- und geschlechtsadjustiert.

In der Multivariatanalyse wurden darüber hinaus noch Pulsfrequenz, Hypertonie, Serumcholesterin, Diabetes mellitus, Rauchen, BMI und QTIntervall berücksichtigt. Von allen 10.318 Studienteilnehmern lagen insgesamt 10.314 TSH-Werte und 10.225 fT4-Werte für die Analyse vor. Verlaufsbestimmungen der Parameter gab es nicht.

Erhöhter fT4-Spiegel riskant

Die Ärzte berichten, dass innerhalb des medianen Follow-up von 9,1 Jahren (maximal 21,2 Jahre) bei 261 Teilnehmern ein plötzlicher Herztod dokumentiert worden sei. Das entspricht einer Inzidenz von 3,1 pro 1000 Personenjahren. In der Gruppe der ausschließlich euthyreoten Teilnehmer waren es 231 Fälle von plötzlichem Herztod.

Der Auswertung zufolge stieg die Wahrscheinlichkeit für plötzlichen Herztod mit der Höhe der fT4-Spiegel, und zwar auf fast das Zweifache je Zunahme um 1 ng / dl (Hazard Ratio [HR]: 1,87; 95%-Konfidenzintervall zwischen 1,09 und 2,86). Das Risiko lag noch deutlich höher, wenn ausschließlich die Messungen bei euthyreoten Teilnehmern in die Berechnung einbezogen wurden (HR: 2,26 je fT4-Zunahme um 1 ng/dl; 95%-Konfidenzintervall zwischen 1,30 und 3,94).

Wie Chaker und ihre Kollegen berichten, stieg zudem das absolute 10-Jahres-Risiko für plötzlichen Herztod bei euthyreoten Teilnehmern, und zwar bei steigenden fT4-Spiegeln von 1 auf 4 Prozent. Welchen Effekt eine medikamentöse Schilddrüsentherapie auf das Risiko für plötzlichen Herztod hat, können die Wissenschaftler aus ihrer Studie nicht ableiten.

Den Effekt, den fT4 auf die Entstehung des plötzlichen Herztodes hat, konnten die Forscher im Zusammenhang mit dem TSH nicht in dem Maße erkennen. Eine mögliche Erklärung für den fT4-Effekt sehen sie im Einfluss des Schilddrüsenhormons auf Verfügbarkeit und Aktivität von Kationentransportern, etwa auf die Na/K- ATPase in den Herzmuskelzellen.

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