Ärzte Zeitung, 12.04.2005

KOMMENTAR

Polio-Eradikation in greifbarer Nähe

Von Wolfgang Geissel

Der heutige 12. April ist für die Geschichte der Medizin von großer Bedeutung. Vor genau 50 Jahren nämlich wurde in den USA die Impfkampagne mit der Salk-Vakzine gegen Poliomyelitis gestartet. Das Datum markiert damit den Beginn der weltweiten Impfprogramme gegen Polio.

Die US-Impfkampagne in den 50er Jahren war zunächst ein Desaster. Durch Infektionen mit unzureichend inaktivierten Polioviren aus einem Impfstoff des Unternehmens Cutter wurden damals über 160 Kinder gelähmt, zehn sind daran gestorben.

Daß sich das Vertrauen in die Impfung überhaupt wiederherstellen ließ, lag an der großen Bedrohung durch Polio in dieser Zeit. Allein in der Bundesrepublik sind noch in den frühen 60er Jahren jährlich über 4000 Menschen an Polio erkrankt und hunderte daran gestorben.

Strenge Auflagen zur Impfstoffsicherheit und die Einführung der Sabin-Schluckimpfung in den 60er Jahren haben die Programme zu einer großen Erfolgsgeschichte gemacht. Die Zahl der Patienten wurden von 350 000 in 125 Ländern im Jahr 1988 auf 1227 in zehn Ländern im Jahr 2004 zurückgedrängt. Die globale Eradikation von Polio-Wildviren ist dadurch in greifbare Nähe gerückt.

Lesen Sie dazu auch:
Seit 50 Jahren gibt es Impfungen gegen Polio

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