Ärzte Zeitung, 28.04.2008

KOMMENTAR

Bei der Umsetzung nicht knausern!

Von Philipp Grätzel von Grätz

Wenn das Hautkrebs-Screening am ersten Juli zur Kassenleistung wird, übernimmt Deutschland in Sachen Prävention und Früherkennung erstmals seit Längerem wieder eine Trendsetter-Funktion in Europa. Das kann nur gut sein: Patienten mit einem Melanom haben eine Heilungschance von über 90 Prozent, wenn der Tumor nicht mehr als einen Millimeter dick ist.

Bei zwei bis vier Millimetern sind es schon keine 50 Prozent mehr. Anders als bei Darm oder Brust braucht es für die Frühdiagnostik von Hautkrebs keine endoskopische Untersuchung und kein teures radiologisches Verfahren. Simples aufmerksames Ansehen des Patienten genügt. Einfach. Schnell. Komplikationsfrei.

Dass Hausärzte in das Screening eingebunden werden, ist vor diesem Hintergrund geradezu zwingend. Falls das Screening von der Bevölkerung angenommen wird - Erfahrungen mit anderen regionalen Screening-Projekten sprechen dafür -, dann werden es die Dermatologen allein gar nicht leisten können.

Dass die deutschen Hausärzte mitmachen werden, daran braucht niemand zu zweifeln. Doch gibt es mit der ausstehenden Vergütungsentscheidung noch eine nicht ganz unwesentliche Unbekannte. Hier ist jetzt Konsequenz angesagt: Wer einen internationalen Trend setzen will, der darf bei der Umsetzung nicht knausern. Eine halbe Stunde veranschlagen Dermatologen für ein Screening. Das muss sich auch in der Vergütung widerspiegeln.

Lesen Sie dazu auch:
Kostenfreies Hautkrebs-Screening ab Juli 2008

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

In kleinen Schritten zum Normalgewicht

Manch eine Adipositas-Therapie scheitert daran, dass die geforderte große Gewichtsabnahme Betroffene abschreckt. Forscher plädieren nun dafür, die Stoffwechsel-gesunde Adipositas als erstes Therapieziel zu definieren. mehr »

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »