Ärzte Zeitung, 09.05.2007

TUMOR-THERAPIE

Stahl und Strahl entfernen zuverlässig den Tumor

In einem frühen Krebsstadium lassen sich die meisten Männer heilen / Op nützt auch Patienten über 75 Jahren

Stahl, Strahl, Chemo oder einfach erst einmal Abwarten - nach der Diagnose Prostata-Karzinom muss für jeden Patienten das passende Verfahren gesucht werden.

    Eine Prostata-Resektion ist inzwischen auch laparoskopisch gut möglich. Foto: dpa
  • Aktives Abwarten wird oft bei Männern über 75 Jahren und lokal begrenztem Tumor empfohlen. Denn die Chance, dass Männer in diesem Alter am Tumor sterben, ist gering. Der Tumor wird engmaschig überwacht, eine Therapie wird erst dann eingeleitet, wenn es zur Tumorprogression kommt. Die Analyse von Daten bei 45 000 Männern ergab jedoch, dass auch noch Männer über 75 von einer Op profitieren: Innerhalb von zwölf Jahren starben 24 Prozent der Patienten mit Op, ohne jedoch 37 Prozent (JAMA 296, 2006, 2683).

  • Die Operation ist Mittel der Wahl bei allen Männern mit einer Lebenserwartung von noch mindestens zehn Jahren und lokal begrenztem Tumor. Durch eine vollständige Resektion der Prostata lassen sich die meisten Patienten heilen. Zehn Jahre nach dem Eingriff sind im Schnitt noch 80 bis 90 Prozent der Männer ohne Rezidiv. Unerwünschte Wirkungen sind Impotenz sowie deutlich seltener Harninkontinenz (bei 5 bis 30 Prozent). Ist eine beidseitig Nerven erhaltende Op möglich, etwa bei bestimmten Patienten mit T1- und T2-Tumor-Stadien, lässt sich die Potenz bei den meisten Operierten erhalten.

  • Die Bestrahlung ist eine Alternative zur Op, vor allem bei recht kleinen, lokal begrenzten Tumoren oder bei Männern über 70 Jahren. Sie kann extern erfolgen, meist als zielgenaues intensitätsmoduliertes Verfahren (IMRT) oder intern über radioaktive Strahlenquellen (Brachytherapie). Je nach Tumor und Verfahren sind zehn Jahre nach dem Eingriff noch 60 bis 80 Prozent der Patienten rezidivfrei. Potenzprobleme treten bei zwei Drittel bis drei Viertel der Männer auf, Inkontinenz ist kaum ein Problem.

  • Hormonentzug ist eine Option, wenn der Tumor bereits die Prostatakapsel durchbrochen hat. Die Therapie mit Antiandrogenen oder LHRH-Analoga erfolgt adjuvant zu Bestrahlung oder radikalen Prostatektomie. Gute Chancen bestehen, wenn die Lymphknoten nicht befallen sind: Bis zu 80 Prozent der Männer sind dann nach fünf Jahren noch ohne Progression, bis zu 60 Prozent leben noch nach zehn Jahren.

  • Eine Chemotherapie ist nötig, wenn der Tumor nach etwa zwei Jahren auf die antiandrogene Therapie nicht mehr anspricht. Die Prognose ist dann schlecht: Auch mit Chemotherapie leben die Patienten nur noch ein bis zwei weitere Jahre. Eine Kombitherapie mit Docetaxel (Taxotere®) konnte in Studien erstmals das Leben solcher Männer verlängern - im Median um drei Monate. (mut)

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