BEHANDLUNG BEI BPH

Effektive Therapien gegen Miktionsstörungen

Fast jeder ältere Mann hat sie, aber nicht jeder spürt sie: Die benigne Prostata-Hyperplasie (BPH). Doch selbst Männer, die unter Miktionsstörungen leiden, gehen deswegen häufig nicht zum Arzt. Dabei können Medikamente Komplikationen wie Harnverhalt gut vorbeugen.

Veröffentlicht: 09.05.2007, 08:00 Uhr

Die Prostata wächst unweigerlich mit dem Alter: Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt, dass jeder zweite Mann über 50 eine BPH hat, von den über 80-Jährigen hat praktisch jeder eine vergrößerte Prostata. Verhindern kann Mann dies kaum: Wenig Alkohol, kein Bluthochdruck, möglichst kein Übergewicht - damit lässt sich das Wachstum der Prostata allenfalls etwas verzögern.

Ein kleiner Trost: Nicht immer führt eine BPH sofort zu Beschwerden. Miktionsprobleme haben nur etwa ein Drittel bis die Hälfte der Betroffenen. Doch, wie so häufig bei Männern, wird lange gewartet, bis man deswegen einen Arzt aufsucht. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) schätzt, dass 70 Prozent der Männer mit Harnwegsbeschwerden nicht behandelt werden. Unbehandelt steigt jedoch das Risiko für einen Harnverhalt, es kann zur Niereninsuffizienz und schließlich zu einem Nierenversagen kommen. Welche Therapie indiziert ist, hängt von Art und Intensität der Beschwerden ab:

  • Phytopharmaka sind vor allem bei leichten bis mittelstarken Miktionsbeschwerden ohne Überlaufblase und ohne Stauung der oberen Harnwege indiziert. In kontrollierten Studien geprüft wurden etwa das Phytosterol ß-Sitosterin, Kürbiskernextrakte, Sabalfruchtextrakte, Extrakte von Roggenpollen sowie Kombinationen von Extrakten. Mit Phytopharmaka ließ sich der Wert auf der Symptomskala IPSS um etwa zwei bis sechs Punkte stärker senken als mit Placebo.
  • Alpha-1-Rezeptorenblocker können BPH-Symptome wie Nykturie, Dysurie, Harndrang und Pollakisurie rasch lindern. Erhältlich, auch generisch, sind in Deutschland Alfuzosin, Doxazosin, Tamsulosin und Terazosin. In Studien mit solchen Mitteln ließ sich ein maximaler Harnfluss von 12 bis 14 ml/s erreichen und die Punktwerte auf Symptomskalen gingen um 30 bis 45 Prozent zurück.
  • 5-Alpha-Reduktasehemmer können das Prostata-Volumen verringern und sind spätestens dann indiziert, wenn das Volumen 40 ml überschreitet. Sowohl Finasterid (Proscar®, jetzt auch generisch) als auch Dutasterid (Avodart®) konnten in Studien das Volumen um ein Viertel reduzieren und den maximalen Harnfluss um 1 bis 2 ml/s steigern. Zudem ließ sich das Risiko für einen Harnverhalt im Vergleich zu Placebo um etwa 60 Prozent senken. Operationen waren nur bei halb so vielen Patienten nötig wie mit Placebo.
  • Kombitherapien sind bei starken Beschwerden oder großem Risiko für Komplikationen ratsam. In einer Studie mit Finasterid plus Doxazosin kam es in 4,5 Jahren nur bei halb so vielen Patienten zu einer Symptomverschlechterung oder zu einem Harnverhalt wie mit Finasterid-Monotherapie. Und in einer Studie mit Dutasterid plus Tamsulosin ließ sich der IPSS-Wert im Schnitt um 7,7 Punkte senken, mit Dutasterid alleine jedoch nur um 5,1 Punkte. (mut)

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