Prostatakrebs

Biomarker zeigt, wie aggressiv ein Karzinom ist

Ein bestimmtes Protein steht offenbar in direktem Zusammenhang mit der Bösartigkeit von Prostatakrebs, wie ein internationles Forscherteam herausgefunden hat. Die Erkenntnis könnte dabei helfen, den Verlauf der Krankheit künftig besser einzuschätzen.

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HEIDELBERG. Ein Protein, das die epigenetischen Merkmale der Tumorzellen beeinflusst, steht in direktem Zusammenhang mit der Bösartigkeit von Prostatakrebs, teilt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) mit.

Dies hat ein Team von Wissenschaftlern aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum, der Universität Zürich, dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der Universität Heidelberg und weiteren Institutionen an über 7700 Tumor-Gewebeproben nachgewiesen (Nature Genetics 2014, online 8. Dezember).

Ein Nachweis des Biomarkers könnte in Zukunft die Wahrscheinlichkeit für einen aggressiven Verlauf der Erkrankung anzeigen und so die Wahl der passenden Therapie unterstützen.

Datenbanken mit molekularen Informationen durchsucht

Die Arbeit war Teil des Projekts "Früher Prostatakrebs", das das Bundesforschungsministerium im Rahmen des Internationalen Krebsgenomkonsortiums ICGC fördert.

Die Wissenschaftler durchsuchten Datenbanken, in denen die molekularen Informationen zu zahlreichen Prostatakrebsfällen gespeichert sind.

Diese Daten überprüften sie darauf, ob die Tumorzellen eines der bekannten epigenetischen Steuerproteine signifikant stärker oder schwächer ausprägen als gesunde Zellen derselben Patienten.

Den auffälligsten Unterschied ermittelten die Forscher für das Protein BAZ2A, meldet das DKFZ: "Eigentlich ist dieses Eiweiß dafür bekannt, dass es die Produktion der zellulären Proteinfabriken unterdrückt und dadurch die Lebensfähigkeit von Zellen beeinträchtigt", wird Professor Roland Eils, der im DKFZ und an der Uni Heidelberg eine Forschungsgruppe leitet, in der Mitteilung zitiert.

"Aber als wir BAZ2A in Zelllinien von metastasierendem Prostatakrebs ausschalteten, verlangsamte sich paradoxerweise ihr Wachstum."

Weitere Untersuchungen zeigten, dass höhere Konzentrationen von BAZ2A die bösartigen Eigenschaften der Prostatakrebszellen steigerten, etwa die Beweglichkeit oder die Fähigkeit, in umgebendes Gewebe einzudringen.

770 Gewebeproben untersucht

Eine detaillierte molekulare Analyse von Prostatakrebszellen ergab, dass die Überproduktion von BAZ2A zu veränderten epigenetischen Mustern führte, die wiederum die Aktivität einer Reihe von krebsbremsenden Genen drosselten.

Daraufhin vermuteten die Forscher, dass sich die BAZ2A-Überproduktion direkt auf die Bösartigkeit von Prostatakrebs auswirkt und so ein Indikator für den Verlauf der Erkrankung sein könnte.

Die Forscher überprüfte diese Hypothese an fast 7700 Gewebeproben von Prostatakrebs und stellten fest: Je mehr BAZ2A das Gewebe enthielt, desto fortgeschrittener war der Tumor bei der Diagnose, desto häufiger hatte der Krebs bereits Metastasen gestreut und desto höher war der PSA-Wert der jeweiligen Patienten.

"BAZ2A scheint einen direkten Einfluss auf die Aggressivität von Prostatakrebs zu nehmen. Von daher könnte der Grad der BAZ2A-Expression deutliche Hinweise auf den Verlauf der Erkrankung geben. Das muss natürlich noch klinisch bestätigt werden", wird Christoph Plass, einer der Leiter der aktuellen Arbeit am DKFZ zitiert.

Aber gerade bei Patienten, deren sonstige klinischen Werte ein mittleres Risiko anzeigen, könnte die BAZ2A-Expression wertvolle Hinweise auf die Wahrscheinlichkeit geben, ob der Krebs zurückkehrt.

Das würde Ärzte und Patienten bei der Wahl der aussichtsreichsten Therapie unterstützen. (eb)

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