Ärzte Zeitung, 09.03.2010

Kein direkter Effekt des SSRI Citalopram bei Reizdarm

Nutzen eines SSRI bei nicht-depressiven Reizdarmpatienten geprüft / Psychische Komorbidität beachten!

WIESBADEN (mal). Wer bei nicht-depressiven Patienten mit Reizdarm auf - auch hier - heilsame Effekte einer antidepressiven Therapie mit SSRI vertraut, setzt wohl aufs falsche Pferd.

Kein direkter Effekt von SSRI bei Reizdarm

Weiter gesucht: Wirksame Therapien bei Reizdarm. © HRSchulz / imago

Zumindest Citalopram als SSRI-Antidepressivum müsse nach einer neuen Studie bei diesen Patienten als wirkungslos eingeordnet werden, betont Professor Peter Layer vom Israelitischen Krankenhaus in Hamburg. Bisher hätten Studien zur Wirksamkeit von Antidepressiva bei Reizdarm ebenso wie die Metaanalyse widersprüchliche Ergebnisse gebracht, erinnerte Layer beim GastroUpdate in Wiesbaden. Ein Grundproblem praktisch aller dieser Studien sei, dass Komorbiditäten nicht berücksichtigt wurden. In Folge hätten antidepressive Effekte mit Effekten auf die Reizdarmsymptome verwechselt werden können.

In der neuen Studie (Clin Gastroenterol Hepatol 8, 2010, 42) seien Citalopram (20 mg, danach 40 mg für jeweils vier Wochen) und Placebo bei Patienten mit Reizdarmsyndrom verglichen worden. Hinweise auf zusätzliche psychische Erkrankungen, vor allem Depressionen, seien dabei explizit Ausschlusskriterium für die Studienteilnahme gewesen, so Layer. Unter diesen strengen Kriterien wurden 234 Patienten mit Reizdarm gescreent, letztlich aber nur 54 in die Studie aufgenommen. Ergebnis: Mit dem SSRI wurden Reizdarmsymptome hier nicht besser gemildert als mit Placebo.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Quereinstieg zum Hausarzt – reicht ein Jahr Weiterbildung?

Der Deutsche Hausärzteverband warnt vor einer Verwässerung der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Ein Jahr Weiterbildung reiche nicht für Umsteiger aus der Klinik. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »