Ärzte Zeitung, 15.12.2016
 

Ein Kind, drei Eltern

Weg für Mitochondrienspende ist frei!

Ab sofort können britische IVF-Kliniken einen Antrag für die Nutzung der Mitochondrienspende stellen. Die zuständige Behörde hat den Weg dafür frei gemacht – als weltweit erstes Land.

Von Peter Leiner

Weg für

Das Innere einer Zelle: Mitochondrien sind grün dargestellt.

© Andrea Danti / Fotolia

LONDON. Nach mehr als fünf Jahren intensiver Begutachtungen von Reproduktionsmedizinern und Grundlagenforschern und nach vier umfangreichen Stellungnahmen von Wissenschaftlern zur Sicherheit der Mitochondrienspende hat die britische Regulierungshörde HFEA (Human Fertilisation and Embryology) jetzt den Weg für die Nutzung zweier Verfahren freigemacht.

Sie folgt damit der aktuellen Empfehlung der von ihr beauftragten Expertenkommission.

IVF-Kliniken, die Frauen mit einem erhöhten Risiko für ein Kind mit einer Mitochondriopathie zu einem gesunden Kind verhelfen wollen, können nun, wenn ihr Antrag von der HFEA genehmigt ist, eine von zwei zugelassenen Methoden der Mitochondrienspende nutzen.

Zwei Transferwege

Dabei handelt es sich um den Spindelkern- und den Vorkerntransfer. Im Prinzip wird letztlich bei beiden Verfahren der Zellkern einer Eizelle einer betroffenen Frau in eine entkernte Eizelle mit intakten Mitochondrien einer Spenderin übertragen.

Dadurch soll verhindert werden, dass die genetisch defekten Mitochondrien der betroffenen Frau an den Nachwuchs weitergegeben werden.

Die historische Entscheidung bedeute, dass Eltern, die ein erhöhtes Risiko haben, ein Kind mit einer lebensbedrohlichen Mitochondriopathie zu bekommen, schon bald die Chance für ein gesundes, genetisch verwandtes Kind erhalten, so die HFEA-Vorsitzende Sally Cheshire in einer Mitteilung der Behörde.

Viele Bedingungen für Erlaubnis

Die HFEA-Genehmigung einer Mitochondrienspende ist an viele Bedingungen geknüpft, um deren Sicherheit zu optimieren. Die Behörde erlaubt unter anderem die Anwendung der Verfahren nur in bestimmten Fällen, in denen alternative Behandlungsoptionen nur wenig erfolgreich sind oder nicht helfen, die Weitergabe der Mitochondriopathie an den Nachwuchs zu verhindern.

Für HFEA ist die Mitochondrienspende aber nur ein Verfahren zur Reduktion des Risikos, eine Mitochondriopathie weiterzugeben. Mit Sicherheit verhindern lässt es sich möglicherweise aber nicht.

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