Gesundheitsministerkonferenz

Ärztenetze sollen Arztsitze erwerben können

Die Gesundheitsminister wollen Ärztenetze stärken. Keine Mehrheit auf ihrer Konferenz fand der Vorschlag, die Budgets in der vertragsärztlichen Versorgung abzuschaffen.

Von Katrin Berkenkopf Veröffentlicht:
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) soll die Rahmenbedingungen schaffen, damit Ärztenetze Arztsitze erwerben können.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) soll die Rahmenbedingungen schaffen, damit Ärztenetze Arztsitze erwerben können.

© Roland Weihrauch / dpa / picture-alliance

DÜSSELDORF. Ärztenetze sollen nach dem Willen der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) gestärkt werden.

"Sie müssen eine größere Rolle bei der Sicherstellung der ärztlichen Versorgung spielen, insbesondere in unterversorgten Regionen", sagte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann bei der Vorstellung der GMK-Beschlüsse am Donnerstag in Düsseldorf.

Lesen Sie auch: Patientenbriefe statt Ärztelatein

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erhielt den Auftrag, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Ärztenetze beispielsweise Arztsitze erwerben können und Mediziner oder medizinisches Personal anstellen können. Voraussetzung dafür soll eine Zertifizierung nach SGB V sein.

"Kooperation und Zusammenarbeit werden zukünftig gerade bei der Sicherstellung der medizinischen Versorgung auf dem Land eine zunehmend wichtige Rolle spielen", sagte Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg, der den Antrag mit eingebracht hatte.

Offen für Vergütungsreform

Keine Mehrheit erhielt dagegen Gargs Vorschlag für eine Endbudgetierung in der vertragsärztlichen Versorgung. "Ich sehe den Bund weiterhin in der Pflicht, vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftebedarfs im ärztlichen Bereich eine Entbudgetierung zu prüfen", sagte er zum Ende der GMK.

"Die bestehende Budgetierung wird weder den Patientinnen und Patienten noch der ärztlichen Leistung gerecht." Immerhin hätten einige Länder "Offenheit" gezeigt, das Thema im Rahmen einer Vergütungsreform zu diskutieren.

Nach dem Willen der Gesundheitsminister soll es künftig eine Frauenquote in der Selbstverwaltung geben. Dort seien Frauen noch immer deutlich unterrepräsentiert, obwohl ihr Anteil im ärztlichen und psychotherapeutischen Bereich in der ambulanten Versorgung inzwischen bei 45 Prozent liegt.

Das Bundesgesundheitsministerium soll eine Quote von 40 Prozent für die KVen prüfen. Das Arbeits- und Sozialministerium muss klären, ob eine solche Quote auch für die Organe der Sozialversicherungsträger eingeführt werden kann.

Reformvorschlag für Heilpraktiker gefordert

Bis zur nächsten GMK am 5. und 6. Juni 2019 in Leipzig soll eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe außerdem einen Reformvorschlag für das Heilpraktikerwesen vorlegen.

"Hier besteht großer Handlungsbedarf", erklärte die Gesundheitssenatorin von Hamburg Cornelia Prüfer-Storcks (SPD).

Es könne nicht sein, dass Heilpraktiker sich mit Knochenbrüchen und malignen Erkrankungen befassen und Arzneimittel ohne die sonst geltenden Kontrollmechanismen herstellen dürften.

Schwerpunkt-Thema der GMK 2019 werden die Potenziale der Digitalisierung für den Gesundheitsbereich, insbesondere in der sektorübergreifenden Zusammenarbeit.

Lesen Sie dazu auch: Gesundheitsministerkonferenz: Patientenbriefe statt Ärztelatein

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Kommentare
Dr. Martin P. Wedig 22.06.201818:00 Uhr

Die letzte grüne Wiese bekommt keinen Saft

Die Budgetierung drosselt die Versorgung. Wenn Bezirke unterversorgt erscheinen, wenn es an Sprechzeiten mangele, so liegt das an der unzureichenden Bereitstellung von Ressourcen. Druck und Vorschrift lösen Widerstand aus. Ködern mit nicht hononierten Arbeitsaufträgen vertreibt die letzten Motivierten. Grundsätzliche Mechanismen der Marktwirtschaft werden durch aktuelle Beschlüsse zur medizinischen Regulierung konterkarriert.
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