Ärzte Zeitung online, 16.02.2017

Studie

Licht und Schatten mobiler Arbeit

Smartphone, Tablet und Laptop machen vielen Menschen die Arbeit einfacher. Doch der Stress wächst.

GENF. Auf dem Sofa, im Café, im Zug: Dank mobiler Endgeräte und Informationstechnologie arbeiten immer mehr Menschen unabhängig von einem festen Arbeitsplatz. Auf der einen Seite können Mitarbeiter von Zuhause aus oder unterwegs arbeiten und dadurch viel Zeit sparen, auf der anderen Seite verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit.

Das könne mehr Stress bedeuten, warnten am Mittwoch die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingung (Eurofound). Ihr Fazit: Nur bei guter Regulierung überwiegen die Vorteile von Smartphone und Co.

Die Organisationen haben 15 Länder verglichen, darunter Deutschland und neun andere EU-Länder sowie Argentinien, Brasilien, Indien, Japan und die USA. Während demnach in Argentinien nur zwei Prozent der Menschen mobil arbeiten, sind es in Schweden 32 Prozent. Deutschland liege mit zwölf Prozent unter dem EU-Durchschnitt, heißt es. Dabei seien 40 Prozent der Jobs dafür geeignet.

Keine eigenen Daten

Die Ländervergleiche sind aber problematisch: ILO und Eurofound haben keine eigenen Daten erhoben, sondern verweisen auf andere Studien, die sich auf unterschiedliche Zeiträume beziehen. Einige Studien sind älter als fünf Jahre. Die deutschen Zahlen stammen von 2014.

Generell lobten Menschen, die mobil arbeiten, dass sie Zeit sparen und autonomer in der Arbeitseinteilung seien. Firmen hätten motiviertere Mitarbeiter. Die Gesellschaft profitiere, da weniger Autos unterwegs seien. Leute, die wegen Behinderungen oder heimischen Verpflichtungen wenig mobil sind, könnten dennoch arbeiten.

Allerdings führten solche Modelle oft zu längeren Arbeitszeiten. Die beste Balance zwischen Vor- und Nachteilen erzielten Menschen, die nur zeitweise von zu Hause oder unterwegs arbeiten. Firmen sollten solche Angebote fördern, müssten aber Sorge tragen, dass Mitarbeiter nicht unbezahlt Überstunden leisten. (dpa)

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