Studie: Telemedizin senkt Krankheitskosten

BERLIN (gvg). Gesundheitsökonomen des Instituts für Sozialmedizin der Charité haben die Auswirkungen einer telemedizinischen Betreuung auf die direkten Krankheitskosten bei Diabetikern untersucht. Es scheint sich zu rechnen.

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Lehrstuhlinhaber Professor Stefan Willich stellte die Daten bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin in Berlin vor. Es handelt sich um vorläufige Ergebnisse. Die endgültigen Zahlen sollen im kommenden Jahr vorliegen. Ermittelt wurden die Krankenhauskosten bei 369 Patienten mit Typ 2-Diabetes der BKK Gesundheit, die sich für das telemedizinische Versorgungsprogramm Diabetiva von SHL eingeschrieben hatten.

Sie waren alle schon einmal wegen der Krankheit stationär behandelt worden. Als Vergleich dienten 369 Typ 2-Diabetiker ohne telemedizinische Intervention, die vorher noch nicht in stationärer Behandlung waren. Um in der retrospektiven Fall-Kontroll-Studie eine Vergleichbarkeit zu erreichen, erfolgte ein Matching nach Alter, Geschlecht und Summe der kardialen Nebendiagnosen.

Das Diabetiva-Programm besteht aus mehreren Säulen. Es werden täglich Vitalwerte wie Blutzucker und Blutdruck in eine zentrale Patientenakte übermittelt, auf die die Mitarbeiter eines medizinischen Call-Centers Zugriff haben. Zusätzlich erfolgen regelmäßig Anrufe durch eine individuell zugeteilte Krankenschwester. Schließlich gibt es auch noch Patientenschulungen.

Dieses ganze Paket scheint zu wirken: "Während die Zahl der Klinikaufenthalte pro Jahr in der Interventionsgruppe abfiel, stieg sie in der Kontrollgruppe deutlich an", so Willich bei der von SHL Telemedizin unterstützten Veranstaltung.

Entsprechend verhielten sich die Kosten: Ein durchschnittlicher Telemedizin-Patient der Interventionsgruppe verursachte vor der Intervention rund 11 000 Euro pro Jahr an Krankenhauskosten. Während der Intervention sank dieser Wert auf rund 8000 Euro. Umgekehrt stiegen die Kosten in der Kontrollgruppe von anfangs rund 7000 Euro auf später 13 000 Euro.

Nicht nur bei den Gesamtkosten, sondern auch bei den durchschnittlichen Kosten pro Aufenthalt war der Trend in der Interventionsgruppe günstiger. Es gab also nicht nur weniger Klinikaufenthalte, sondern sie waren auch weniger aufwändig. Die Einsparungen seien so hoch, dass sie auch durch die Kosten des Programms nicht aufgezehrt würden, so Willich. Genaue Daten dazu konnte er noch nicht vorlegen. Im Mittel waren die Patienten in dieser Studie 750 Tage in telemedizinischer Betreuung.

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