Ärzte Zeitung online, 26.11.2018

Allianz PKV

Hausbesuchsnotdienst für Kinder entzürnt Pädiater

Ist mehr ärztlicher Service für Privatpatienten bei knappen Arztressourcen angemessen? Darüber streitet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte mit der Allianz PKV, die einen Hausbesuchsnotdienst für kranke Kinder einrichten will.

Von Ilse Schlingensiepen

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Die Allianz will kindliche Notfälle häufiger per Hausbesuch versorgt sehen.

© Gina Sanders / stock.adobe.com

KÖLN. Mit einem neuen Service hat die Allianz Private Krankenversicherung (APKV) den Zorn des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) auf sich gezogen.

Der geplante kinderärztliche Hausbesuchsnotdienst verschärfe die Versorgungsprobleme durch den Kinderarztmangel und sei moralisch höchst fragwürdig, kritisiert BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach.

Der auf ärztliche Hausbesuche spezialisierte Dienstleister Medlanes soll für erkrankte Kinder den Besuch durch einen Pädiater organisieren. Die APKV reagiert damit auf die Tatsache, dass die Versorgung durch einen Kinderarzt nachts und am Wochenende oft mit langen Wartezeiten verbunden ist und die Notfallambulanzen überfüllt sind.

Der Versicherer testet „Kinderärzte on the Road“ zunächst in Berlin, Frankfurt, Hamburg und München, um Erfahrungen zu sammeln.

„Die Ärzte fehlen an anderer Stelle“

„Der kinderärztliche Hausbesuchsnotdienst ist ein Angriff auf das Recht aller Kinder auf bestmögliche medizinische Versorgung, eine ‚Rosinenpickerei‘, die wir für moralisch höchst fragwürdig halten“, kritisiert Fischbach, Kinderarzt in Solingen.

Es gebe zu wenige Kinder- und Jugendärzte, betont er. Die überfüllten Notfallambulanzen seien eine Folge davon. Der Ansatz der Allianz, Kinderärzte gezielt zu Privatversicherten auf Hausbesuch zu schicken, werde das Problem verschärfen, erwartet der Verbandspräsident.

Mit Besuchen zu Hause könnten die Pädiater viel weniger Kinder versorgen als in einer Notfallambulanz. Je mehr Kinder- und Jugendärzte Hausbesuche machten, desto mehr fehlten sie an anderer Stelle.

Fischbach hält die „Kinderärzte on the Road“ aber auch für medizinisch bedenklich. Ein Hausbesuch bei Privatversicherten mag für den Arzt zwar lukrativ sein, angesichts der fehlenden diagnostischen Möglichkeiten vor Ort sei er aber nicht die erste Wahl.

„Aus diesem Grund machen wir bei akuten Erkrankungen in der Regel keine Hausbesuche, sondern bitten die Eltern in die Praxis beziehungsweise nachts und am Wochenende in die Notfallambulanzen, wo eine gründliche Diagnostik gemacht werden kann“.

„Für Eltern nicht immer einfach“

Gerade in einer Zeit, in der sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn darum bemühe, die viel kritisierten Unterschiede beim Service für Privat- und gesetzlich Versicherte auszugleichen, sei der Vorstoß der Allianz kontraproduktiv, erklärte Fischbach der „Ärzte Zeitung“. „Es ist das völlig falsche Signal, gerade wenn man als Privatversicherer eine Zukunft haben will.“

Die Allianz Private Krankenversicherung geht in einer Stellungnahme nicht näher auf die Vorwürfe ein. Jeder Vollversicherte habe bereits jetzt das Recht, Hausbesuche durch einen Arzt seiner Wahl in Anspruch zu nehmen, heißt es in dem Papier lediglich.

„Wie wir festgestellt haben, ist es aber gerade nachts und am Wochenende für Eltern nicht immer einfach, den Hausbesuch eines Bereitschaftsarztes mit kinderärztlicher Spezialisierung zu organisieren.“ Das Angebot stehe jedem interessierten Kinderarzt offen. „Ärztliche Leistungen werden wie immer nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet.“

Beim Tag der Privatmedizin angesprochen auf den Plan des Mitgliedsunternehmens APKV, äußerte sich PKV-Verbandsgeschäftsführer Dr. Florian Reuther zurückhaltend. Er könne nicht für das Unternehmen sprechen, sagte er. Aber mehr Service sei für sich genommen, zunächst einmal nichts Schlechtes.

Nicht nachvollziehen könne er den Einwand des BVKJ, ein Hausbesuch bei einem akut fiebernden Kind sei „medizinisch bedenklich“. (Mitarbeit: ger)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Wer solche Freunde hat…

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[27.11.2018, 09:17:02]
Dr.med. Elisabeth Grunwald 
In meiner Zeit ( bin seit 2014 in Rente)
wurden die Kinder vom allgemeinen ärztlichen Notdienst mit versorgt. Das heißt, dass wir in jedem Nacht oder Wochenenddienst ein bis mehrere Kinder zu besuchen hatten.
Es waren ausnahmslos banale Infekte um die es ging und weswegen man teilweise Nachts um 2h durch die Gegend fahren durfte. Ein Zäpfchen hat es in der Regel gebracht. Meist waren es auch immer die gleichen Mütter die wegen jeder Kleinigkeit anriefen.
Chronisch kranke Kinder hatten sowieso ihre KH Konnektion und da haben sich die Eltern im Notfall auch gemeldet, da die Kinder da bekannt waren.
Es dürfte selten sein, dass wirklich ein Kinderarzt unbedingt nachts unterwegs sein muss nur um ein Fieberzäpfchen zu empfehlen. Antibiotika brauchen Kinder mit Infekten sowieso selten und da genügt auch der Kinderarztbesuch am nächsten Tag. Auch eine Gastroenteritis muss in der Regel nicht sofort an den Tropf. Meist ist das in 1-2 Tagen sowieso weg.
Was Dramatisches habe ich in all diesen Jahren nie erlebt. Rechtfertigt das einen Kinderarzt Besuchsnotdienst?  zum Beitrag »

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