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Medica Econ Forum

Klinik-IT: „Wir elektrifizieren erst, mit Digitalisierung hat das nichts zu tun!“

Heißer Schlagabtausch beim gesundheitspolitischen Medica-Forum: Wann kann die Förderung der Kliniken durch das Krankenhauszukunftsgesetz Wirkung entfalten?

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Wohin führt der Zug der Krankenhaus-IT-Förderung die Kliniken in Deutschland?

Wohin führt der Zug der Krankenhaus-IT-Förderung die Kliniken in Deutschland?

© Christoph Soeder / dpa / picture alliance

Düsseldorf. Dienordrhein-westfälischen Kliniken haben beim Landesgesundheitsministerium insgesamt 1400 Anträge auf Fördermittel aus dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) gestellt. Die meisten stammen dabei aus dem Bereich der Digitalisierung der Pflege- und Behandlungsdokumentation, gefolgt von digitalen Patientenprotalen und dem digitalen Medikationsmanagement.

Das berichtete Gerhard Herrmann, im NRW-Gesundheitsministerium Leiter Abteilung Gesundheitsversorgung, beim Medica Econ Forum am Dienstag in Düsseldorf. Insgesamt stünden den NRW-Kliniken 900 Millionen Euro KHZG-Fördermittel zur Verfügung.

Professor Michael Forsting, am Essener Uniklinikum Direktor des Instituts für Radiologie und Medizinischer Direktor der Zentralen IT, warnte vor zu schnellen Erwartungen an digitalisierte Krankenhäuser in Deutschland. „Wir elektrifizieren erst einmal die Kliniken, danach kann die Digitalisierung der Häuser anfangen“, so Forsting.

So sei zum Beispiel die Radiologie bereits vor 20 Jahren elektrifiziert worden, digital arbeiten könnten die Radiologen erst seit Kurzem – anhand entsprechender, auch KI-basierter Unterstützungstools. Das Argument, mit der elektronischen Patientenakte (ePA) gehe nichts mehr verloren, bilde keine Digitalisierung ab. „Auch ein Arztbrief kommt nicht automatisch in die ePA, die nichts verliert.“

Super Diagnostics im Blick

Nach Forstings Vorstellungen gipfelt eine erfolgreiche Digitalisierung der medizinischen und pflegerischen Versorgung in den Super Diagnostics – Systeme, die Ärzten bei ihrer Entscheidungsfindung mit auch aktuellem Studienwissen aus aller Welt unterstützen können. Herrmann befürwortet Forstings Vorstoß, mahnt aber an, dass „Ärzte vor Ort weiterhin selbst entscheiden müssen, was sie letztendlich tun wollen.“

Knackpunkt der Digitalisierung sind laut Forsting auch „kleine IT-Truppen“ in den Kliniken, die nicht die Schlagkraft zum Beispiel der Fachkräfte an Unikliniken entfalten könnten – auch inhaltlich nicht. Für Dr. Wulf-Dietrich Leber, beim GKV-Spitzenverband in Berlin Abteilungsleiter Krankenhäuser, ist das symptomatisch für Fehlentwicklungen im deutschen Gesundheitswesen. „Da werden Krankenhäuser digitalisiert, die eigentlich schon längst nicht mehr an der Versorgung teilnehmen sollten.“

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