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Hauptstadtkongress

Was die Wirtschaft nach der Pandemie von der Politik erwartet

Die rasche Impfstoff-Entwicklung und -Zulassung hat gezeigt, was in der Zusammenarbeit von Unternehmen und Behörden möglich ist. So soll es weitergehen, fordern Firmen-Chefs.

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:
Spritzen in einer Schale: Hand in Hand lief es bei der Produktion und Zulassung der Corona-Impfstoffe. Ein gutes Beispiel, wie die Zusammenarbeit von Pharmaunternehmen und Behörden laufen sollte.

Hand in Hand lief es bei der Produktion und Zulassung der Corona-Impfstoffe. Ein gutes Beispiel, wie die Zusammenarbeit von Pharmaunternehmen und Behörden laufen sollte.

© Gregor Fischer / dpa

Berlin. Mit der COVID-19-Pandemie sind Gesundheit, Medizin und Prävention zu einem Top-Thema geworden, das die Agenda der Staats- und Regierungschefs erreicht hat. Das sollte auch in Zukunft so bleiben, um die Gesundheitssysteme zu modernisieren, sie auf neue Pandemien einzustellen und neue Technologien wie die Digitalisierung im Interesse einer patientennäheren stark ambulant ausgerichteten Versorgung zu stärken.

So lautet die gemeinsame Einschätzung von drei CEOs weltweit tätiger Pharma- und Medizintechnik-Unternehmen: Frans van Houten (Philips), Dr. Bernd Montag (Siemens Healthineers) und Professor Jochen Maas (Sanofi) am Dienstag beim Hauptstadtkongress in Berlin.

Die Pandemie habe gezeigt, wie hochkomplexe Entscheidungsprozesse wie Impfstoff-Entwicklung und –zulassung rasant beschleunigt werden können, wenn Industrie und staatliche Behörden pragmatisch kooperieren und sich auf eine Herausforderung fokussieren. Angesichts neuer Mutanten mit einem wesentlich höheren Infektionspotenzial sei die Weiterentwicklung insbesondere der mRNA-Impfstoffe notwendig und binnen weniger Wochen auch möglich – und darauf müssten sich auch die Zulassungsbehörden einstellen.

Weitere Mutationen wahrscheinlich

Das Auftreten weiterer Mutationen hält auch van Houten für wahrscheinlich. Notwendig seien daher starke öffentliche Impfkampagnen. Die Gesundheitssysteme bräuchten Investitionen für die Digitalisierung, um die patientennahe Versorgung, beispielsweise in der Radiologie in der ambulanten Medizin zu stärken.

Die Health-Care-Industrie und ihre Leistung, so Montag, sei in den vergangenen Monaten ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt worden, ebenso die Chancen der Digitalisierung. „Wir müssen die Öffentlichkeit mitnehmen, um insbesondere den Nutzen und nicht nur die Risiken zu zeigen“, ergänzte Maas.

Schädliche Grenzschließungen

Die in der Anfangsphase der Pandemie verhängten Grenzschließungen und Exportbeschränkungen für knappe Güter des Infektionsschutzes bezeichnet van Houten als schädlich. Er hält es für naiv, das einzelne Länder oder auch die EU eine Autarkie bei der Versorgung mit allen notwendigen Arzneimitteln und Medizinprodukten realisieren könnten.

Notwendig seien vielmehr internationale Verhandlungen, um den Warenverkehr und die Kooperationsfähigkeit internationaler Hersteller sicherzustellen. So seien beispielsweise für die Herstellung des mRNA-Impfstoffs mehr als 200 Vorprodukte von 70 verschiedenen Herstellern aus 17 Ländern notwendig, ergänzte Maas.

Einig sind sich die CEOs, dass Deutschland und Europa mit seiner Kombination aus einem öffentlichen, solidarisch finanzierten Gesundheitswesen in Verbindung mit privaten Anbietern in der Pandemie besser aufgestellt waren als die USA. Allerdings, so Maas, sei eine bessere Vorbereitung auf eine Pandemie notwendig und möglich gewesen, wie das Beispiel Taiwan zeige: mit einem perfekten und konsequent umgesetzten Pandemieplan, mit Vorräten an Schutzausrüstungen und einer konsequenten Nachverfolgung der Infektionsketten; auch ohne Impfstoff habe es in Taiwan nur wenige Tote gegeben.

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