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Antiretrovirale Therapie

ART-Nebenwirkungen – Was Hausärzte wissen sollten

Die antiretrovirale Therapie (ART) ist verträglicher geworden. Trotzdem gilt es, die potenziellen Nebenwirkungen im Blick zu haben, um den Nutzen der Behandlung nicht zu schmälern.

Veröffentlicht:

HAMBURG. Da HIV-Patienten dank ART heute eine fast normale Lebenserwartung haben, hat das Management von Therapienebenwirkungen an Bedeutung und Komplexität gewonnen.

Die für Hausärzte wichtigsten Aspekte hat Professor Hans-Jürgen Stellbrink vom Infektionsmedizinischen Centrum Hamburg zusammengefasst (MMW 2017; S2: 14–21):

  1. Gewicht: In der Regel kommt es unter der ART zu einer Gewichtszunahme, nicht selten bis zum schweren Übergewicht, und dadurch zu einem Anstieg des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Die Lipodystrophie, bei der braunes Fettgewebe schwindet und vor allem das metabolisch ungünstige Bauchfett zunimmt, ist dagegen selten geworden.
  2. Leber: Über ein Drittel der HIV-Patienten leidet an einer nichtalkoholischen Fettleber (NAFLD); Übergewicht, Diabetes und erhöhte Blutfette gelten als die Hauptrisikofaktoren (AIDS 2017; 31: 1621–32). Bei NAFLD sollte eine hepatotoxische ART möglichst umgestellt werden.
  3. Knochendichte: Nach Beginn einer ART sinkt die Knochendichte um 2-6 Prozent. Tenofovir-DF verstärkt den Effekt und kann zu Osteopenie und Osteoporose führen. Auch andere häufige Risikofaktoren wie Rauchen tragen zum Knochendichteverlust bei.
  4. Niereninsuffizienz: Tenofovir-DF, Atazanavir und Lopinavir führen über eine Minderung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) zur progredienten Niereninsuffizienz. Unter Tenofovir-DF kann die Funktion des proximalen Tubulus auch bei erhaltener GFR gestört sein. -Der Nachfolger- Tenofvir-AF zeigt keine Nephrotoxizität. Atazanavir begünstigt die Bildung von Nierensteinen.
  5. Kardiovaskuläres Risiko: Einige antiretrovirale Wirkstoffe (Abacavir, Lopinavir) sind mit einem erhöhten Risiko für akute Koronarereignisse verbunden. Hinzu kommen die Auswirkungen des Übergewichts. Als wichtigste Maßnahme zur Senkung des vaskulären Risikos wird die Korrektur der klassischen Risikofaktoren wie Rauchen und Hyperlipidämie empfohlen.
  6. Medikamenteninteraktionen: Die Wirkung der ART kann durch Begleittherapien beeinträchtigt werden. So können Protonenpumpenhemmer die Resorption von Atazanivir und Rilpivirin herabsetzen. Umgekehrt beeinflusst die ART die Wirkung vieler häufig verordneter Medikamente. Ritonavir und Cobicistat sind starke Inhibitoren unter anderem von CYP3A4 und können daher eine Wirkverstärkung etwa von Statinen oder Wirkminderung etwa von Clopidogrel verursachen. Efavirenz und Nevirapin bewirken eine Induktion von Leberenzymen, wodurch die Wirkung einer Begleittherapie meist abgeschwächt, in Einzelfällen verstärkt wird. (bs)
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