Allergische Rhinitis

Ärzte bei Diagnostik oft uneins

Symptome und nasale Endoskopie sind keine verlässlichen Instrumente für die Allergiediagnostik. Die Beurteilungen der Nasenmuscheln durch Ärzte weichen oft stark voneinander ab, wie eine türkische Studie zeigt.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Bei Verdacht auf eine allergische Rhinitis schafft der Pricktest rasch Klarheit.

Bei Verdacht auf eine allergische Rhinitis schafft der Pricktest rasch Klarheit.

© kiep / shutterstock.com

IZMIR. In der Allergiediagnostik tendieren manche Ärzte dazu, die Diagnose einer allergischen Rhinitis nur aufgrund der Symptomatik und des Ergebnisses einer nasalen Endoskopie zu stellen, statt auch die Ergebnisse eines Pricktests einzubeziehen.

Türkische HNO-Ärzte überprüften nun in einer Studie, wie einheitlich die Beurteilungen durch drei Ärzte tatsächlich sind (Clin Otolaryngol 2013, online 28. August).

An der Studie nahmen 108 Patienten mit Rhinitis teil, 36 Männer und 72 Frauen. Die Untersuchung der Nase erfolgte mit einem starren Endoskop. Die Ergebnisse wurden fotografisch dokumentiert.

Zur Kontrolle wurde ein Pricktest gemacht

Jeder der drei Ärzte musste anschließend unabhängig voneinander Angaben zu Schleimhautschwellungen, Hypertrophie der unteren Nasenmuscheln, polypöser Degeneration der unteren Nasenmuscheln, Polypen, Abweichungen des Nasenseptums sowie zur Farbe der Nasenmuscheln und zu Eigenschaften des Nasensekrets machen.

Bei allen Patienten wurde zur Kontrolle der Pricktest gemacht, bei dem Extrakte mit 27 Allergenen verwendet wurden.

Um bei den Beurteilungen den Grad der Übereinstimmung zwischen den Ärzten zu bestimmen, wandten die Ärzte in der statistischen Auswertung erstmals den Fleiss-kappa-Test an, bei dem die Werte (k) nach der komplexen Berechnung zwischen -1 und +1 liegen.

Ein Wert 0 bedeutet eine zufällige Übereinstimmung der Beurteilungen, +1 dagegen eine perfekte Übereinstimmung.

Kein Symptom hatte signifikanten Vorhersagewert

Insgesamt 41 Patienten - knapp 40% - hatten einen negativen Pricktest, bei 62 Patienten war er positiv mit der Diagnose allergische Rhinitis.

Fast drei Viertel der Studienteilnehmer hatte eine Allergie gegen mehrere Allergene. Keines von elf Symptomen hatte für sich genommen einen statistisch signifikanten Vorhersagewert, darunter Niesen, Jucken, verstopfte oder tropfende Nase, Riechstörung und Husten.

Bei vielen Beurteilungen waren sich die Ärzte weitgehend einig, zum Beispiel von Polypen (k = 0,96), Septumabweichungen (k= 0,65) und von Mukosaödemen (k = 0,48). Bei der Beurteilung des Nasensekrets war der k-Wert mit 0,29 zwar niedrig, aber mit p = 0,04 immer noch signifikant.

Ebenfalls eine geringe, aber nicht signifikante Übereinstimmung gab es dagegen bei der Beurteilung von Hypertrophien der Nasenmuscheln (k = 0,31) und deren Farbe (k = 0,38). Insgesamt bei 6 von 7 klinischen Zeichen lag der k-Wert unter 0,5, was nur eine geringe bis mäßige Übereinstimmung der Ärzte in ihrer Beurteilung bedeutet.

Mehr zum Thema

Allergien und Entzündungen

Welchen Nutzen Vitamin C bei Allergien haben kann

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
Praxisfall im Podcast: Atemwegsinfekt

© Bionorica SE

Phytoneering-Akademie

Praxisfall im Podcast: Atemwegsinfekt

Anzeige | Bionorica SE
Antibiotika – Fluch und Segen

© Bionorica SE

Podcast

Antibiotika – Fluch und Segen

Anzeige | Bionorica SE
Brauchen wir noch Antibiotika?

© deepblue4you | iStock

Content Hub

Brauchen wir noch Antibiotika?

Anzeige | Bionorica SE
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Massiv erhöhter CA-19-9-Wert weckt falschen Krebsverdacht

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft

Lesetipps
Das Zusammenspiel zwischen Vermögensverwalter und Anlegerin oder Anleger läuft am besten, wenn die Schritte der Geldanlage anschaulich erklärt werden.

© M+Isolation+Photo / stock.adobe.com

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Person mit weißer Pille in der rechten Hand und Glas Wasser in der linken Hand

© fizkes - stock.adobe.com

Acetylsalicylsäure in der Onkologie

ASS schützt Senioren langfristig wohl nicht vor Krebs