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Arzt wirbt bei Schülern für rauchfreies Leben

Das Programm "Rauchzeichen" der Herzstiftung setzt auf Ärzte, die ehrenamtlich in Schulen über die Gesundheitsgefahren des Rauchens aufklären. Einer von ihnen ist Dr. Matthias Salefsky aus Aschaffenburg.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Hängen dem Kardiologen Dr. Matthias Salefsky an den Lippen: Siebtklässler in Höchst im Odenwald lernen, wie Nikotin auf Herz und Gefäße wirkt.

Hängen dem Kardiologen Dr. Matthias Salefsky an den Lippen: Siebtklässler in Höchst im Odenwald lernen, wie Nikotin auf Herz und Gefäße wirkt.

© Wolfgang Geissel

"Sonst sehe ich immer nur die Krankheiten nach einer langen Raucherkarriere. Hier kann ich endlich mal was für die Prävention tun", sagt Dr. Matthias Salefsky. Der niedergelassene Internist und Kardiologe macht seine Praxis im Jahr etwa vier halbe Tage zu und informiert ehrenamtlich auf der Ernst-Göbel-Schule in Höchst im Odenwald Siebtklässler über die Gesundheitsgefahren des Rauchens.

Salefsky hat dort eine Schulpatenschaft übernommen, und zwar im Rahmen des Programms "Rauchzeichen" von der Deutschen Herzstiftung.

Das Programm wurde im Rhein-Main-Gebiet gestartet

Das Programm wurde vor fünf Jahren mit acht Ärzten gestartet. Initiiert hat es der Pionier der Ballondilatation in Deutschland, Professor Martin Kaltenbach. Der inzwischen 83-jährige Kardiologe war von seinen damals zwölfjährigen Enkeln gebeten worden, an ihrer Schule im Taunus etwas gegen das Rauchen zu unternehmen.

Gerade in diesem Alter steigen nämlich besonders viele Jugendliche in die Sucht ein, betont Salefsky. Mehr als jeder dritte Jugendliche rauche mit 17 Jahren bereits. 90 Prozent aller Raucher fangen mit dem Laster bereits vor dem 18. Geburtstag an.

"Rauchzeichen" versucht, diesen Trend zu brechen. Über das Rhein-Main-Gebiet hinaus hat sich der zweistündige Präventionsunterricht mit ehrenamtlichen Ärzten mittlerweile an 60 bis 70 Schulen in viele Regionen Hessens sowie in die angrenzenden Gebiete in Bayern und Rheinland-Pfalz ausgebreitet.

Jedes Jahr je eine Doppelstunde in fünf bis sechs Parallelklassen

Jule Thomas zeigt Rückstände aus dem Zigarettenrauch.

Jule Thomas zeigt Rückstände aus dem Zigarettenrauch.

© Wolfgang Geissel

"Ein Arzt -  eine Schule" ist das Konzept, wie Jule Thomas von der Stiftung im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" erläutert hat. Die Heilpraktikerin organisiert die Schulpatenschaften für die Ärzte. Außer Kardiologen nehmen inzwischen auch Allgemeinmediziner, Notfallmediziner sowie Gefäß- und Thoraxchirurgen daran teil.

"Die meisten Ärzte bleiben uns über Jahre erhalten", sagt Thomas. Jedes Jahr aufs Neue übernehmen die Mediziner je eine Doppelstunde in fünf bis sechs Parallelklassen.

In Höchst respektieren die Schüler Salefsky als besonders glaubwürdige Autorität. Der Unterricht wird zwar mit Materialien der Herzstiftung bestritten, aber der Kardiologe kann viel über seine tägliche Arbeit mit Patienten berichten.

Jugendliche sollen sich für Gesundheit begeistern

Die beiden Stunden sind auf die Altersstufe abgestimmt, Schreckensszenarien werden vermieden. "Wir wollen die Jugendlichen vielmehr für Gesundheit begeistern", sagt Salefsky. Dazu bekommen die Schüler zum Beispiel Stethoskope und hören damit ihre Herztöne in Ruhe und unter Belastung ab.

In einem Experiment wird zudem eine Zigarette durch einen Saugapparat geraucht, und die Rückstände werden anschließend in einem Wattebausch begutachtet. Eindruck machen bei den Jugendlichen auch die besprochenen unmittelbaren Folgen des Rauchens wie fahle Haut, gelbe Finger und Zähne, Zahnfleischprobleme, unangenehmer Körpergeruch, Leistungsschwäche und mögliche Impotenz.

Viele Jugendliche interessieren sich auch für Shisha-Rauchen. Das ist besonders gefährlich, weil der Rauch der Wasserpfeife im Vergleich zu Zigaretten noch mehr Teer, Schwermetalle, Kohlenmonoxid und Benzol enthält. Zudem werden damit besonders große Rauchmengen inhaliert. "Bei einer Shisha-Sitzung kann soviel Gift wie in 100 Zigaretten aufgenommen werden", so Salefsky.

Patienten berichten über Krankheiten durch Rauchen

Zu den langfristigen Folgen des Rauchens wird ein kurzer Film gezeigt: Ein 21-jähriger Mann berichtet von seinem Herzinfarkt, ein 55-Jähriger im Rollstuhl von der Amputation seiner Raucherbeine und eine Witwe über das Leiden ihres verstorbenen Mannes durch Lungenkrebs.

Die Eindrücke sollen sich ins Gedächtnis einbrennen. Viele Schüler können selbst ein Beispiel von einem Angehörigen beisteuern, der durch Rauchen krank geworden ist. Salefsky erzählt auch die traurige Geschichte von einem Patienten mit Schaufensterkrankheit: "Wenn ihm beim Laufen wegen der Gefäßschäden die Beine weh tun, dann setzt er sich erst mal auf eine Bank, um eine Zigarette zu rauchen."

Da das Programm "Rauchzeichen" bereits über mehrere Jahre läuft, sollen jetzt die Langzeiteffekte evaluiert werden. Eine Studie dazu ist nach Angaben von Jule Thomas am Institut für Biostatistik der Universität Frankfurt am Main gestartet worden.

Verglichen werden sollen an Schulen mit und Schulen ohne das Programm die Anteile der jugendlichen Raucher. Erste Ergebnisse könnten in gut einem Jahr vorliegen. Stichproben hätten bereits ergeben, dass Schüler sich auch noch nach Jahren an das Projekt erinnern können, und dass die Raten der Raucher bei ihnen unter dem Durchschnitt liegen.

www.herzstiftung.de Stichwort "Rauchzeichen" in Suchmaske

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