Skelett- & Weichteilkrankheiten

Baker-Zyste - manchmal muss sie doch raus

Wenn die arthroskopische Sanierung bei Patienten mit Baker-Zyste wirkungslos bleibt, ist die offene Operation unumgänglich.

Von Dr. Thomas MeißnerDr. Thomas Meißner Veröffentlicht: 15.12.2011, 05:00 Uhr
(Links) Im Röntgenbild bei einem 51-Jährigen ist allenfalls eine Weichteilverdichtung durch die Zyste zu erkennen. (Mitte) Das sagittale MRT-Bild offenbart dann doch eine Baker-Zyste. (Rechts) Das koronare MRT-Bild zeigt den zur dorsomedialen Kniegelenkkapsel ziehenden Zystenstiel.

(Links) Im Röntgenbild bei einem 51-Jährigen ist allenfalls eine Weichteilverdichtung durch die Zyste zu erkennen. (Mitte) Das sagittale MRT-Bild offenbart dann doch eine Baker-Zyste. (Rechts) Das koronare MRT-Bild zeigt den zur dorsomedialen Kniegelenkkapsel ziehenden Zystenstiel.

© Dr. Stephan David

LUTHERSTADT WITTENBERG. Auslöser der sekundären Baker-Zysten sind Kniebinnenschäden wie Meniskusläsionen oder Knorpeldefekte. Der Erguss-bedingt erhöhte Kniebinnendruck führt zu Aussackungen der Gelenkkapsel.

Bei Patienten mit symptomatischen Baker-Zysten kommt es daher darauf an, zunächst den Kniebinnenschaden zu beheben, da ansonsten mit erneuten Beschwerden gerechnet werden muss. Die Persistenzrate von Baker-Zysten nach arthroskopischer Sanierung wird mit 16 bis 55 Prozent angegeben.

Die Zyste selbst ist meist asymptomatisch und braucht im Allgemeinen nicht entfernt zu werden (Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie, Thieme 2007).

Zyste kam spontan wieder

Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel. So etwa bei einem 51-jährigen Mann mit chronischen Kniegelenksbeschwerden links wegen eines bekannten degenerativen Schadens des medialen Meniskus, berichtet Dr. Stephan David vom Evangelischen Krankenhaus Paul-Gerhardt-Stift in Lutherstadt Wittenberg (Orthopädie & Rheuma 2011, 3: 58).

Nach ambulanter Arthroskopie mit Sanierung des Hinterhornschadens wurde der Patient nicht beschwerdefrei, die Zyste kam spontan wieder.

Die große Baker-Zyste (Durchmesser 8 cm) wird in Blutsperre und Bauchlage über einen dorsalen Zugang zum Kniegelenk entfernt.

Die große Baker-Zyste (Durchmesser 8 cm) wird in Blutsperre und Bauchlage über einen dorsalen Zugang zum Kniegelenk entfernt.

© Dr. Stephan David

David und seine Kollegen entfernten sie nun offen über einen dorsalen Zugang. Es handelte sich um eine Zyste mit einem Durchmesser von acht Zentimetern und einem von der dorsomedialen Gelenkkapsel ausgehenden Zystenstiel.

Nach der Operation durfte der Mann das Bein über vier bis sechs Wochen nur vorsichtig voll belasten. Der postoperative Verlauf war komplikationslos.

Bei den Poplitealzysten (Baker-Zysten) kann grundsätzlich zwischen primären und sekundären sowie zwischen Distensions- und Dissektionszysten unterschieden werden. Distensionszysten entstehen aufgrund des erhöhten Kniebinnendrucks bei Kniegelenkserguss wegen vorhandener Binnenschäden.

Rupturen oder Ventilwirkung

Die Gelenkkapsel sackt aus, wobei der Verbindungsgang unter Umständen wie ein Ventil wirken kann, sodass der Erguss nur in eine Richtung, nämlich Richtung Bursa, ablaufen kann. Bei Dissektionszysten besteht keine dauerhafte Verbindung zwischen Bursa und Gelenkkapsel. Rupturen sind möglich.

Primäre Zysten bei Kindern sollen mit einer Prävalenz von 2,4 Prozent vorkommen, sind aber meist asymptomatisch. Viel häufiger sind wegen der degenerativen Kniegelenksschäden sekundäre Baker-Zysten.

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