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Interview

Bei Pollenallergie: "Nasale Kortisonsprays helfen fast jedem"

Gegen die Pollenallergie gibt es wirksame Strategien. Professor Karl-Christian Bergmann rät: "Antihistaminika sollten nicht nach Bedarf, sondern kontinuierlich während der gesamten Pollensaison angewendet werden."

Veröffentlicht:
Hasel-, Erlen- und Gräserpollen im Elektronenmikroskop. Diese drei Pollenarten sind häufiger Auslöser von Allergien.

Hasel-, Erlen- und Gräserpollen im Elektronenmikroskop. Diese drei Pollenarten sind häufiger Auslöser von Allergien.

© wid

Ärzte Zeitung: Herr Professor Bergmann, welche Pollenarten fliegen derzeit in Deutschland?

Professor Karl-Christian Bergmann

© privat

Aktuelle Position: Leiter der interdisziplinären allergologisch-pneumologischen Ambulanz vom Allergie-Centrum-Charité Berlin.

Schwerpunkte: Allergologische Aspekte obstruktiver Atemwegskrankheiten, Lebensqualität und Compliance-Messungen bei Atemwegserkrankungen.

Professor Karl-Christian Bergmann: Der Haselflug neigt sich gerade dem Ende zu, der Flug der Erlenpollen ist schwach bis mäßig, und der Birkenpollenflug hat gerade begonnen.

Ärzte Zeitung: Läuft dieses Jahr alles nach Plan beim Pollenflug?

Bergmann: Im Prinzip ja. Allerdings wird der Flug der Birkenpollen vermutlich etwas heftiger ausfallen als erwartet, das heißt ähnlich verlaufen wie im vergangenen Jahr, das ja ein sogenanntes Mastjahr war.

Ärzte Zeitung: Welche Allgemeinmaßnahmen sind sinnvoll gegen eine Pollenallergie ?

Bergmann: Als sinnvoll haben sich zum Beispiel Pollenschutzgitter für Fenster, besonders im Schlafzimmer, erwiesen. Es lohnt sich auch, Kleidung, die man tagsüber draußen getragen hat, nicht im Schlafzimmer abzulegen.

Zu empfehlen ist außerdem das Pollentagebuch. Hiermit können Patienten feststellen, auf welche Pollen sie tatsächlich allergisch reagieren und ob die aktuelle Therapie auch wirklich die richtige ist. Die Patienten tragen täglich ihre Beschwerden an Nase, Augen und Bronchien ein.

Und über die Postleitzahl des Wohnortes rechnet ein Computer dann nach etwa zehn Tagen aus, in welchem Verhältnis die Beschwerden eines Patienten sowie die eingesetzten Medikamente zu den Pollenarten und der Pollenzahl am Wohnort des Patienten stehen. Das Pollentagebuch erreicht man über die Website der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (www.pollenstiftung.de).

Ärzte Zeitung: Wie gut wirkt Akupunktur bei Pollenallergie?

Bergmann: Es gibt meines Wissens nur eine Studie aus den USA, die an einer relativ kleinen Zahl von Patienten tatsächlich einen positiven Effekt gezeigt hat. Ich will aber nicht ausschließen, dass mit Akupunktur eine Linderung der Symptome zu erzielen ist.

Wie stark man die Symptome beim Heuschnupfen empfindet, ist ja auch zum großen Teil psychosomatisch bedingt. Ob die Wirkung der Akupunkturbehandlung jedoch anhält, ist fraglich. Die TCM-Akupunktur soll jedenfalls den besten Effekt haben. Es gibt bisher aber keine Empfehlungen dazu in nationalen oder internationalen Leitlinien.

Ärzte Zeitung: Genügt es, Antihistaminika nur bei Bedarf anzuwenden?

Bergmann: Wir sind uns inzwischen einig, dass Antihistaminika nicht nur bei Bedarf, also nicht nur an den Tagen, an denen man Beschwerden hat, eingenommen werden sollen, sondern durchgehend während der gesamten Pollensaison.

Denn diese Mittel haben auch einen gewissen antientzündlichen Effekt, und dieser kommt bei kontinuierlicher Anwendung stärker zum Tragen. Die neueren, weniger sedierenden Antihistaminika können meist nur dann zu Lasten der GKV verschrieben werden, wenn frei verkäufliche Präparate nicht ausreichend wirken.

Ärzte Zeitung: Sollte man gleich mit Kortikoidsprays kombinieren?

Bergmann: Man sollte zunächst mit Antihistaminika behandeln und diese Therapie ausreizen. Erst wenn das nicht ausreichend hilft, sollte ein nasales Kortikoid hinzukommen. Die Kortikoidsprays sind verschreibungspflichtig und bei den allermeisten Patienten auch wirklich wirksam, sofern sie richtig angewendet werden.

Damit Patienten die Kortisonsprays richtig anwenden, sollte man dies in der Praxis genau erklären und nicht nur auf die Gebrauchsanweisungen des jeweiligen Herstellers hinweisen.

Ärzte Zeitung: Viele Patienten mit Pollenallergie bekommen irgendwann Asthma. Wie lässt sich der Übergang frühzeitig erfassen?

Bergmann: Man sollte unbedingt mit den Patienten über diese Gefahr des Etagenwechsels sprechen und ihnen die Erstsymptome erläutern, damit sie sich gegebenenfalls rechtzeitig in der Praxis vorstellen. Wir wissen, dass etwa jeder dritte Heuschnupfen in ein Pollenasthma übergeht.

Das erste Symptom eines beginnenden Asthmas ist der trockene Reizhusten während der Pollensaison. Er tritt oft zunächst nur an Tagen auf, an denen der Patient tief einatmet, also zum Beispiel Fahrrad fährt oder joggt, wo eine höhere Pollenbelastung vorhanden ist. Die Beschwerden werden unbehandelt immer schlimmer und häufiger. Bei den betreffenden Patienten sollte daher direkt mit einer Asthmatherapie begonnen werden.

Das Gespräch führte Ingrid Kreutz.

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