Coronavirus

China schottet 43 Millionen Menschen ab

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen, werden mehr Städte in China abgeriegelt. Die WHO sieht weiter keinen Gesundheitsnotstand. Gesundheitsminister Spahn mahnt zu Besonnenheit.

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Die Menschen in China bereiten sich auf das anstehende Neujahrsfest vor: Auf einem Markt in Fuyang in der zentralchinesischen Provinz Anhui tragen Verkäufer und Käufer Mundschutz.

Die Menschen in China bereiten sich auf das anstehende Neujahrsfest vor: Auf einem Markt in Fuyang in der zentralchinesischen Provinz Anhui tragen Verkäufer und Käufer Mundschutz.

© Chinatopix/AP/dpa

Peking. Die Sorge über das sich stark ausbreitende neuartige Coronavirus (2019-nCoV) überschattet das chinesische Neujahrsfest, das in der Nacht zum Samstag gefeiert wird.

Selbst in Peking wurden Festivitäten wie Tempelfeste und andere Veranstaltungen abgesagt, um größere Menschenansammlungen zu verhindern.

Geschätzte 400 Millionen Menschen sind zum wichtigsten chinesischen Familienfest in ihre Heimatorte gereist, was die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Virus noch vergrößerte. Die Behörden riefen die Menschen auf, einen Mundschutz zu tragen und andere Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen.

Wuhan will Krankenhaus in sechs Tagen bauen

Um 2019-nCoV Herr zu werden, schloss auch Disneyland in Shanghai vorerst seine Pforten. Und auch Teile der Großen Mauer wurden gesperrt. Betroffen ist der bei Touristen beliebte Mauerabschnitt Badaling im Norden von Peking, wie chinesische Staatsmedien berichteten.

Drastisch sind die Maßnahmen in der Provinz Hubei im Herzen Chinas. Nach der Provinzhauptstadt Wuhan mit seinen elf Millionen Einwohnern wurden auch in den Städten Huanggang, Lichuan, Jingzhou, Xianning, Huangshi, Chibi, Xiantao, Dangyang, Ezhou, Xiaogan und am Freitag auch Yichang und Tianmen strenge Beschränkungen erlassen.

Der öffentliche Verkehr mit Bussen oder Fähren sowie der Zugverkehr in andere Orte wurden gestoppt, wie die Stadtregierungen berichteten. Mehr als 43 Millionen Menschen sind somit weitgehend von der Außenwelt abgeschottet.

Zur Behandlung von Patienten, die sich mit der neuen Lungenkrankheit infiziert haben, soll in Wuhan ein Krankenhaus errichtet werden - in nur sechs Tagen.

Die Gebäude für die Anlage mit 1000 Betten werden aus vorproduzierten Bauteilen zusammengesetzt, wie Staatsmedien berichteten. Das Krankenhaus soll ab dem 3. Februar die ersten Patienten aufnehmen.

Mehr als 900 gemeldete Erkrankte

Mittlerweile wurde bei 916 Menschen (Stand 24. Januar, 16:10 Uhr) weltweit das neue Coronavirus nachgewiesen, wie mehrere Medien berichten. Rapide stieg zuletzt binnen Tagen die Zahl der Infizierten in China (siehe nachfolgende Grafik) – von 62 am 18. Januar auf 892 (Stand: 24. Januar, 16:10 Uhr).

Auch gibt es mehr Todesfälle. China berichtet von 26 Menschen, die an der neuen Lungenkrankheit erkrankt und mittlerweile gestorben sind – viele hatten aber Vorerkrankungen.

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Vereinzelt wurde das Virus auch schon bei Patienten in anderen Ländern wie Thailand, Japan, den USA, Vietnam und Südkorea nachgewiesen. Neu ist ein Fall in Nepal (siehe nachfolgende Tabelle).

In Europa ist bisher (Stand 24. Januar, 16:10 Uhr) kein Fall bekannt. Eingeschleppte Einzelfälle der neuen Lungenkrankheit sind deutschen Infektionsspezialisten zufolge aber auch hierzulande „wahrscheinlich“.

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WHO sieht (noch) keine Notlage

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sah auch am Donnerstagabend keinen Grund, eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite auszurufen.

„Es ist nicht der richtige Zeitpunkt“, sagte der Vorsitzende des Notfallsausschusses, Didier Houssin. Er verwies darauf, dass es im Ausland bislang nur wenig Fälle gebe, und dass China bereits selbst weitreichende Vorkehrungen getroffen habe.

WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte, China habe diejenigen Maßnahmen getroffen, die es für angemessen halte. „Wir hoffen, dass sie effektiv und von kurzer Dauer sind.“ Die WHO empfehle keinerlei Reise- oder Handelsbeschränkungen. Die WHO nehme den Ausbruch aber extrem ernst, sagte der WHO-Chef. „Es ist noch keine Notlage von internationaler Tragweite, aber das kann es noch werden.“

Spahn: „Wir nehmen das sehr ernst“

Das Auswärtige Amt in Berlin riet dazu, nicht notwendige Reisen in die betroffenen Gebiete zu verschieben. Das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan werde als „moderat“ eingeschätzt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mahnte zu Besonnenheit. „Wir nehmen das sehr ernst, wir sind wachsam, aber gleichzeitig mit kühlem Kopf“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag in den ARD-„Tagesthemen“.

Spahn lobte die Informationspolitik der Pekinger Regierung. Anders als bei der großen Sars-Pandemie, der 2002/2003 fast 800 Menschen zum Opfer gefallen waren, funktioniere der Austausch Chinas mit der internationalen Gemeinschaft.

Es sei wichtig, die Krankheit einzuordnen, so Spahn. An Influenza stürben in Deutschland jedes Jahr rund 20.000 Menschen.

Tropenmediziner: „Die Angst ist da“

Vor Panikmache hat auch Professor August Stich gewarnt. Der Chefarzt der Tropenmedizin an der Würzburger Missioklinik betonte: „Man kann sich nicht auf alles vorbereiten. Wir sind eigentlich ganz gut gerüstet in Deutschland.“

In der Würzburger Missioklinik hätten sich bereits zahlreiche Menschen gemeldet mit der Angst, infiziert zu sein. „Das Szenario, was sich jetzt schon abspielt, sind Hunderte von besorgten Menschen oder vielleicht Tausende schon in Deutschland.“ Dies seien vor allem Reise-Rückkehrer.

Meistens könne man durch grobe Daten wie Reise- und Inkubationszeit eine Erkrankung mit dem neuen Coronavirus ausschließen. „Aber die Angst ist da.“ (dpa/ths)

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