Prävention

Das hilft, Krebs zu verhindern

Es klingt banal, ist aber nicht trivial: Eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung beugen Krebserkrankungen vor.

Von Thomas Meißner Veröffentlicht:
Prävention durch Sport: Eine gute Idee bei – und gegen – Übergewicht.

Prävention durch Sport: Eine gute Idee bei – und gegen – Übergewicht.

© svetabezu / stock.adobe.com

München. Lassen sich Krebserkrankungen tatsächlich mit gesunder Ernährung verhindern? Ist sie eine Art Medikament, einsetzbar für die Primärprävention? Die Antwort sei eher ein „Jein“, meint Dr. Gert Bischoff, Internist und Leiter des Zentrums für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP) am Krankenhaus Barmherzige Brüder München.

„Ernährungsstudien sind meist epidemiologische Studien, die Beobachtungen über Jahrzehnte zusammenfassen“, sagt Bischoff. „Was wir sehen, sind Assoziationen.“ Damit ist die Evidenz aus wissenschaftlicher Sicht zwar nicht sonderlich stark. Dennoch spricht vieles dafür, dass die Art, wie wir leben, ein maßgeblicher Faktor dafür ist, ob im Verlauf des Lebens eine Krebserkrankung auftritt oder nicht.

Daher ist auch Bischoff überzeugt davon, dass gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung krebspräventive Effekte haben.

Nur grobe Schätzungen möglich

Wie viele Karzinome dadurch verhindert werden, lässt sich nur grob schätzen. „Kolonkarzinome könnten womöglich mit einem Anteil von 70 Prozent vermieden werden, bei Lymphomen oder Leukämien liegt der Anteil dagegen womöglich im niedrig einstelligen Bereich“, sagt Bischoff.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass über alle Entitäten hinweg in den westlichen Industrienationen 30 Prozent aller Krebserkrankungen auf ungünstige Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten zurückzuführen sind. Angesichts von knapp einer halben Million Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland wäre ein Drittel weniger, kumulativ über Jahre, eine immense Entlastung der Gesellschaft, der Familien und jedes einzelnen Menschen.

Ein Grund für den relevanten Einfluss der Ernährung auf die Krebsentstehung sind die aufgenommenen Toxine: Aflatoxine, die von Schimmelpilzen gebildet werden und in Getreidesorten vorkommen können, lösen zum Beispiel Leberkarzinome aus. Nitrosamine kamen früher in gepökelten Fleischwaren, aber auch Bier und Malzkaffee vor – mit geänderten Herstellungsverfahren konnte deren Gehalt inzwischen deutlich gesenkt werden.

Acrylamid, das im Tabakrauch vorkommt und durch das starke Erhitzen von Lebensmitteln entsteht, hat im Tierversuch zu Erbgutveränderungen und Tumoren geführt. Ein starker Alkoholkonsum über längere Zeit ist ein Risikofaktor für Kopf-Hals-Tumore oder Ösophaguskarzinome.

Alkohol: Ein wichtiges Toxin

Überhaupt ist Alkohol eines der wichtigsten Toxine: 96 Prozent der Erwachsenen in Deutschland konsumieren Alkohol. 1,77 Millionen Männer und Frauen in Deutschland sind alkoholabhängig.

Daher erklären Ernährungsfachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nicht mehr, wie viel Gramm Alkohol pro Woche unbedenklich seien. Heute heißt es: „Mit jedem Glas Alkohol steigt das Krebsrisiko.“ Täglich vier oder mehr Drinks erhöhen das Kehlkopfkrebsrisiko um etwa 150 Prozent, das für Dickdarm- und Brustkrebs um 50, für Pankreaskarzinome um 20 Prozent, so die DGE.

Der im Vergleich wahrscheinlich stärkste Risikofaktor für die Karzinomentstehung ist Übergewicht. „Da gibt es einen linearen Zusammenhang“, erklärt Bischoff und verweist auf die häufigsten Krebsentitäten Brustkrebs, Prostatakarzinom und kolorektales Karzinom. Vermutlich spielt die mit Übergewicht und Adipositas einhergehende systemische Inflammation eine wichtige Rolle. „Wir sollten bis etwa zum 65. Lebensjahr einen Body Mass Index von unter 25 kg/m2 halten, über 65 Jahre akzeptieren wir bis 30 kg/m2, ohne eine Gewichtsreduktion zu empfehlen.“

Letzteres liegt am Obesity-Paradoxon, das wegen des unerwünschten Gewichtsverlustes bei konsumierenden Erkrankungen wie schwerer Herzinsuffizienz, COPD oder Krebs einen Überlebensvorteil von leicht Übergewichtigen beschreibt.

10 Regeln zur gesunden Ernährung

Was man also tun kann, um buchstäblich Leben zu retten, ist relativ banal: sich gesund ernähren und ausreichend bewegen. „Gesunde Ernährung lässt sich nicht von körperlicher Bewegung trennen“, heißt es beim Deutschen Krebsforschungszentrum.

Die DGE hat kürzlich ihre 10 Regeln zur gesunden Ernährung aktualisiert, Tenor: pflanzliche Lebensmittel bevorzugen, schonend zubereiten und in Bewegung bleiben! So wird auch Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen vorgebeugt.

Und was ist mit der von Kardiologen gern zitierten „Mittelmeerdiät“? „Die klassische Mittelmeerdiät bezieht sich auf Ernährungsgewohnheiten auf der Insel Kreta in den 1950er Jahren“, sagt Bischoff. Und das ist nichts anderes, als was die DGE empfiehlt: fleischarm essen, viel Obst, Gemüse und Nüsse. Und wenn Fett, dann bitte hochwertiges Pflanzenfett wie Raps- oder Olivenöl.

10 Regeln der DGE

1. Lebensmittelvielfalt genießen

2. Gemüse und Obst – nimm „5 am Tag“

3. Vollkorn wählen

4. Mit tierischen Lebensmitteln die Auswahl ergänzen

5. Gesundheitsfördernde Fette nutzen

6. Zucker und Salz einsparen

7. Am besten Wasser trinken

8. Schonend zubereiten

9. Achtsam essen und genießen

10. Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben

Ausführliche Erläuterungen zu den 10 Regeln finden sich auf der DGE-Webseite.

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