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"Der Kampf gegen HIV muß verstärkt werden"

NEU-ISENBURG (Rö). Die Zahl der HIV-Infektionen nimmt in Deutschland wieder zu - und zwar drastisch um 30 Prozent in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr. Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin schätzt die Zahl der HIV-Neuinfektionen für 2005 auf bundesweit etwa 2600. Im vergangenen Jahr hatten sich noch 2058 Menschen neu mit HIV infiziert, 2003 waren es erst 1827 gewesen.

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Zum Welt-Aids-Tag heute am 1. Dezember hat UN-Generalsekretär Kofi Annan die internationale Gemeinschaft aufgerufen, den Kampf gegen die globale Epidemie der Immunschwäche zu verstärken. "HIV/Aids ist weltweit gesehen die größte medizinische Katastrophe der Neuzeit seit Auftreten der Pest im 14. Jahrhundert", sagte der Präsident des Robert-Koch-Institutes Professor Reinhard Kurth. Das Motto des Tages lautet in Deutschland: "Gemeinsam gegen Aids: Wir übernehmen Verantwortung - für uns selbst und andere."

Deutschland ist wie die übrigen Industrienationen zwar weniger stark durch HIV betroffen. Doch durch wachsende Sorglosigkeit steigen die Infektionszahlen in vielen Industrieländern wieder. In Deutschland leben nach RKI-Angaben inzwischen etwa 49 000 HIV-Infizierte. Etwa 31 000 davon sind Männer, die mit Männern Sex haben. Auf diese Gruppe entfallen auch etwa 70 Prozent der Neuinfektionen dieses Jahres.

Zwanzig Jahre nach dem Einführung der ersten antiviralen Therapie gegen HIV ist diese Therapie weiterhin eine große Erfolgsgeschichte. So lassen sich bei 62 Prozent der antiviral behandelten HIV-Infizierten keine HI-Viren im peripheren Blut nachweisen. Dies hat die deutsche Kohortenstudie ergeben, deren Daten das Kompetenznetz HIV/AIDS vor kurzem vorgestellt hat.

Mit den heutigen Therapien gelingt es also, die Replikation von HIV weitgehend zu unterdrücken. Für die antivirale Therapie stehen derzeit 25 Medikamente mit 21 verschiedenen Substanzen zur Verfügung. Sie richten sich inzwischen gegen mehrere Komponenten im Virus.

Die erste Komponente im Virus war die Hemmung des Enzyms Revers-Transkriptase, mit dem das RNS-Virus seine RNS in DNS umschreibt. Doch mit dieser Therapie allein ist das Virus langfristig nicht in Schach zu halten. Dies gelingt auch nicht viel besser, wenn zwei solcher Hemmstoffe kombiniert werden.

Einen Durchbruch hatte erst die kombinierte Blockade zweier Enzyme von HIV gebracht. Zusätzlich zur Hemmung der Revers-Transkriptase ist es Mitte der neunziger Jahre gelungen, auch die Protease zu hemmen. Durch diese Hemmung können keine reifen Viren entstehen. Mit den Protease-Hemmern begann der große Erfolg der antiviralen Therapie: die Sterberaten und Erkrankungsraten gingen steil nach unten. Die Kombination von zwei Hemmstoffen der Revers-Transkriptase, bis dahin die effektivste Therapie, die es gab, mit einem Protease-Hemmer wurde zu einem Goldstandard der Therapie gegen HIV.

Heute hat sich das gewandelt. Geblieben ist, daß eine antivirale Therapie gegen HIV in der Regel mit einer Dreifachkombination begonnen wird. Heute wird aber zwischen verschiedenen Therapie-Schemata ausgewählt.

Und: Die Forschung hat bereits weiter verbesserte und neue Therapien gegen HIV gebracht, und die Forschung wird weitergehen. Beispiel sind die Verstärkung von Protease-Hemmern mit kleinen Mengen Ritonavir, wodurch die Einnahmeschemata von Protease-Hemmer einfacher werden konnten, oder die Entwicklung der Fusionshemmung. Eine einmal täglich orale Dauertherapie ist wie bei Hypertonie ein wichtiges Ziel.

In der Entwicklung sind derzeit weitere Medikamente mit neuem Wirkansatz: von Integrase-Hemmern versprechen sich Wissenschaftler, daß sie den Einbau des Virusgenoms in das menschliche Genom unterdrücken. Ein weiterer vielversprechender Ansatz sind Korezeptor-Antagonisten, die das Andocken und Eindringen des Virus in die Zelle verhindern. Attachement-Hemmern soll dies gelingen, indem sie sich an das Hüllprotein gp 120 binden. Und Maturationshemmer sollen den Reifungsvorgang neu hergestellter Viren hemmen.

Geforscht wird aber auch, wie sich das Immunsystem durch therapeutische Vakzinen anregen läßt, so daß es mit der Infektion besser zurechtkommt.

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