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Dunkle Schatten und ein Fünkchen Hoffnung

Von Inga Niermann Veröffentlicht:

Die weltweite AIDS-Epidemie würde wohl völlig aus dem Blickfeld geraten, gäbe es nicht die jährlichen Zahlen von WHO und Unaids, die das Ausmaß der Aids-Krise besonders in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara der Öffentlichkeit wieder in Erinnerung rufen.

Obwohl diese Region nur zehn Prozent der Weltbevölkerung stellt, leben dort 60 Prozent aller HIV-Infizierten. Im Jahr 2005 waren 25,8 Millionen Menschen (7,2 Prozent) in den Ländern südlich der Sahara mit dem HI-Virus infiziert, heißt es in dem neuen Bericht von WHO und Unaids, der aus Anlaß des heutigen Welt-Aids-Tags veröffentlicht wurde. 3,2 Millionen steckten sich demnach neu mit HIV an. 2,4 Millionen Erwachsene und Kinder sind an Aids gestorben.

Die Auswirkungen der Aids-Krise auf den afrikanischen Kontinent sind katastrophal. Laut Human Development Report 2005 des United Nations Development Programme (UNDP) ist der Lebensstandard in zwölf von 18 Ländern seit den 1990ern Jahren deutlich gesunken.

In dem UNDP-Länder-Ranking über die menschliche Entwicklung rutschen in Folge der Aids-Epidemie Südafrika um 35 Plätze und Botswana um 24 Plätze nach unten. In vielen Ländern südlich der Sahara leiden die Menschen mehr an Hunger als noch vor zehn Jahren.

Aber es gibt auch positive Entwicklungen zu vermelden: Den Staaten Uganda, Kenia und Simbabwe ist es gelungen, ihre Aids-Rate zu senken. Verändertes Sexualverhalten, vor allem eine geringere Promiskuität und die vermehrte Nutzung von Kondomen, haben die Zahl der Aids-Erkrankungen gesenkt.

Elfenbeinküste stemmt sich mit aller kraft gegen Aids

Wie unterschiedlich in Afrika der Umgang mit dem Thema Aids ist, zeigen die Beispiele Elfenbeinküste, Tunesien und Uganda, über die Regierungsvertreter und Journalisten in Hamburg auf einem Symposium der Aktion unabhängige Presse in Afrika, (AUPA e.V.) über Medien und Aids-Bekämpfung im südlichen Afrika berichtet haben.

In der Elfenbeinküste fordert die Aids-Epidemie nicht nur Jahr für Jahr Zehntausende Todesopfer, sondern hinterläßt auch tiefe Spuren in den familiären Strukturen. Sieben Prozent der 16 Millionen Einwohner sind HIV-infiziert. 310 000 Waisenkinder, die ihre Eltern durch Aids verloren, sind von Verwandten oder Behörden zu versorgen.

"Auch die wirtschaftliche Entwicklung des Landes wird in allen wichtigen Sektoren gebremst", sagte die Ministerin für Aids-Bekämpfung, Adjobi Nebout Christine. Arbeitskräfte fehlten vor allem in der Agrarwirtschaft, dem wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes, das vor allem Kaffee und Kakao exportiert.

Zudem werde das Bildungssystem ausgehöhlt. "Am Tag stirbt bei uns ein Lehrer an Aids", sagte Christine. Militärische und politische Ausein-andersetzungen in dem Land hätten das Gesundheitswesen zusätzlich geschwächt und viele Menschen zum Auswandern bewegt.

Die Regierung unternehme große Anstrengungen, die Epidemie zu stoppen, sagte Christine. 2001 richtete sie ein eigenes Ministerium für die Aids-Bekämpfung ein, das seitdem alle Kampagnen koordiniert. Außer Aufklärungsarbeit hat das Ministerium gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs) Therapieprogramme für Aids-Kranke initiiert, um möglichst vielen Menschen eine antiretrovirale Therapie zugänglich zu machen.

In Tunesien ist Aids ein Tabuthema

In Tunesien dagegen wird das Thema Aids heruntergespielt. Aids-Patienten werden oft ohne medizinische Versorgung sich selbst überlassen, berichtete die Menschenrechtlerin und Journalistin Sihem Bensedrine. "Man tut so, als gebe es diese Krankheit in Tunesien nicht. Alle Aufklärungsaktivitäten werden unterdrückt." Nach Einschätzung von NGOs liege aber schon heute die Infektionsrate vier Mal höher als in der offiziellen Statistik angegeben.

Eine hohe Infektionsgefahr bestehe besonders für Gefängnisinsassen: "Zur Rasur wird oft eine Rasierklinge für 100 Menschen genutzt, die hygienischen Verhältnisse sind katastrophal", sagte Bensedrine. Die Regierung habe einer NGO untersagt, Kondome zu verteilen, weil dies einem Eingeständnis gleich käme, daß in Tunesien Homosexualität existiert. Bensedrine macht vor allem die Religion für diese Art Umgang mit Aids verantwortlich.

Besonders dramatisch sei in Tunesien aber die Diskriminierung der Aids-Kranken selbst. "In Krankenhäusern kommen sie in Quarantäne, wo man sie dann sich selbst überläßt", berichtete die Journalistin. Viele würden aufgefordert, zum Sterben nach Hause zu gehen. Insbesondere im Interesse der Aids-Kranken müsse alles getan werden, daß auch die Regierung die Existenz von Aids akzeptiere und rasch Präventionsarbeit leiste, forderte Bensedrine.

In Uganda trägt die Aufklärung erste Früchte

In Uganda weist die Aids-Rate schon seit einigen Jahren eine rückläufige Tendenz auf. Die Verbreitung von HIV in der Bevölkerung konnte von 15 Prozent Anfang der 1990er Jahre auf heute weniger als zehn Prozent reduziert werden. Experten führen diesen Erfolg auf die sogenannte ABC-Strategie ("Abstinence, Be faithful, use Condoms") zurück, was soviel heißt wie "Sei enthaltsam, sei treu und benutze Kondome".

"In Uganda ist die Aufklärung vom Kopf her passiert", sagte Professor Manfred Dietrich, Leiter der klinischen Abteilung des Bernhard-Nocht-Instituts, der seit 15 Jahren den Präsidenten der Republik von Uganda in der Aids-Politik berät.

Ugandas Präsident habe bei seinen öffentlichen Auftritten stets über die Ansteckungsgefahr durch sexuelle Kontakte informiert. Auch die Medien hätten sich aktiv an der Kampagne beteiligt. Zudem werde in Uganda viel Geld in die Behandlung von Aids-Patienten, in die klinische Forschung und in die Ausbildung von Ärzten investiert. Allein am Forschungsinstitut in Kampala hätten 20 000 Aids-Kranke eine anti-retrovirale Therapie erhalten.

Umstritten ist derzeit ein US-Programm in Uganda, das junge Leute zu sexueller Enthaltsamkeit vor der Ehe erziehen soll. Kritiker fürchten, daß ihnen auf diese Weise wichtige Informationen über Verhütungsmethoden vorenthalten werden.

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