Versorgungsforschung

Diabetiker-Versorgung in sozial schwachen Regionen schlechter

In sozial schwachen Regionen Deutschlands erhalten junge Typ-1-Diabetiker deutlich seltener Insulin-Analoga, Pumpen und CGM-Systeme, so eine aktuelle Analyse des DZD.

Von Wolfgang Geissel Veröffentlicht: 03.12.2018, 12:02 Uhr
Diabetiker-Versorgung in sozial schwachen Regionen schlechter

Die Vorsorgungsqualität bei Patienten mit Typ-1-Diabetes hängt offenbar auch davon ab, wo diese wohnen.

© robertprzybysz / Getty Images / iStock

NEU-ISENBURG. Trotz erheblicher Fortschritte beim Management von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes gibt es deutliche regionale Unterschiede bei der Behandlung, berichtet ein Team vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) um Marie Auzanneau von der Universität Ulm (Diabetes Care 2018; 41: 2517).

Die Forscher haben Daten der Diabetes-PatientenVerlaufsdokumentation (DPV) von 29.284 Patienten im Alter unter 20 Jahre ausgewertet. An das Register senden 416 Diabeteszentren aus ganz Deutschland Daten zu Behandlung und Therapieergebnissen bei ihren Patienten.

Ob und wie die Art der Versorgung junger Diabetiker mit den sozioökonomischen Bedingungen ihrer Heimatregion zusammenhängt, haben die Forscher anhand des „German Index of Multiple Deprivation 2010“ (GIMD 2010) geprüft. In den Index gehen Daten zu Einkommen, Arbeitsplätzen, Bildung, Sozialkapital, Umwelt und Sicherheit ein. 412 Distrikte in Deutschland werden dabei abhängig von ihren sozioökonomischen Bedingungen je einer von fünf Gruppen (Quintilen) zugewiesen.

Die sozioökonomisch schwächsten Regionen finden sich dabei vor allem in den neuen Bundesländern mit Ausnahme des Großraums Berlin, die stärksten Regionen in Bayern, Baden-Württemberg, dem Rhein-Main-Gebiet sowie den Ballungsräumen Hamburg, Bremen, Köln-Bonn und Düsseldorf.

Ergebnisse: „Regionale Unterschiede in Therapie und Therapieergebnissen existieren sogar auf Kreisebene. Diese Unterschiede sind zum Teil durch einen Mangel an materiellen und sozialen Ressourcen erklärbar“, wird die Studienautorin Auzanneau in einer Mitteilung des DZD zitiert.

Ein Manko: Weniger lang wirksame Insulinanaloga

Nach den Daten erhalten Patienten in den sozioökonomisch schwächsten im Vergleich zu den stärksten Regionen weniger oft lang wirksame Insulinanaloga (64,3 vs. 80,8 Prozent) und weniger oft Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) (3,4 vs. 6,3 Prozent). Auch werden dort seltener Insulinpumpen (CSII) verwendet im Vergleich zu allen anderen Gruppen (41,4 vs. 42,4-48,0 Prozent). Das schlägt sich offenbar in den Ergebnissen nieder.

Der mittlere HbA1c-Wert liegt in den schwächsten Regionen höher als in den stärksten (8,07 vs. 7,84 Prozent) und dort haben mehr Patienten Übergewicht (15,5 vs. 11,8 Prozent). Die Rate schwerer Hypoglykämien ist in den schwächsten Regionen im Vergleich allerdings deutlich niedriger (6,9 vs. 12,1 Ereignisse pro 100 Patientenjahre).

Die Forscher sehen Unsicherheiten sozial schwacher Familien bei der Beantragung von CSII oder CGM als eine mögliche Ursache für die regionalen Unterschiede. In benachteiligten Regionen ließen sich damit die Therapieergebnisse wahrscheinlich oft verbessern.

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