Die ESBL entwickeln sich immer mehr zu Problemkeimen

Die Rate der Infektionen mit extended spectrum beta-Laktamase-produzierenden (ESBL) Gram-negativen Keimen steigt stark.

Veröffentlicht:

WIESBADEN (nsi). Die Sepsis gehört zu den drei häufigsten Todesursachen auf Intensivstationen: Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts in Berlin (RKI) gibt es jährlich etwa 64 000 nosokomiale Infektionen in deutschen Intensivabteilungen, davon sind etwa 40 000 katheter- oder beatmungsassoziiert.

20 bis 30 Prozent dieser Infektionen wären vermeidbar, sagte Dr. Christine Gessert, als sie beim Internistenkongress in Wiesbaden die aktuellen Daten der Infektions-Surveillance von intensivmedizinischen Abteilungen (KISS) vorstellte. Rund 14 000 Intensivpatienten sterben jährlich an den Folgen nosokomialer Infektionen.

Dramatisch sei die Prävalenz der Infektionen mit den extended spectrum beta-Laktamase-produzierenden (ESBL) Gram-negativen Bakterien gestiegen, so Gessert. Diese sind gegen einen Großteil der beta-Laktame, auch der neueren Cephalosporine (Ausnahme: Cephamycine) resistent.

586 von insgesamt etwa 1000 intensivmedizinischen Abteilungen haben ihre Daten ans KISS gemeldet, die Auswertung gilt damit als repräsentativ. Danach habe sich die ESBL-Prävalenz im Zeitraum zwischen 2003 und 2008 von 0,12 auf 0,45 pro 100 Intensivpatienten etwa vervierfacht, innerhalb der Universitätskliniken sogar verzehnfacht, sagte Gessert.

Die Prävalenz der ins Krankenhaus eingeschleppten MRSA-Stämme hat sich im selben Zeitraum von 0,8 auf 1,1 pro 100 Intensivpatienten erhöht. Die Prävalenz der im Krankenhaus erworbenen MRSA-Infektionen ist zwischen 2003 und 2008 mit gut 1,3 nahezu konstant geblieben.

Als Ursache für die starke Zunahme der ESBL (E. coli, Klebsiella sp., Proteus mirabilis, Enterkokokken) gilt der hohe Selektionsdruck auf die Bakterien durch Anwendung von Antibiotika.

"Bei der initial falschen Antibiotikatherapie ist die Sterberate bei Patienten mit Infektionen, die mit einem zentralvenösen Katheter assoziiert sind, doppelt so hoch wie bei der Wahl des richtigen Antibiotikums", so Professor Santiago Ewig aus Bochum. Es dürfe in Kliniken nicht an der Mikrobiologie gespart werden.

Bei der Therapie der betroffenen Patienten gelte ein Deeskalationskonzept: Die primäre Antibiose sollte ein breites Erregerspektrum abdecken - abhängig von Laborbefund und klinischer Entwicklung werde spezifiziert und reduziert.

Die ESBL-Keime sind noch gegen die Antibiotika der Gruppe der Peneme sowie Tigecyclin sensibel, aber auch empfindlich gegen Hände- und Oberflächendesinfektionsmittel.

Mehr zum Thema

Beratung in der Arztpraxis

Sicher mit Kindern verreisen: So geht‘s

Sie fragen – Experten antworten

Mutter mit MS: Kind gegen MMR impfen?

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?