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Lokales Prostata-Ca

Die Operation dominiert

Eine groß angelegte Studie hat untersucht, wie Männer in Deutschland mit lokalisiertem Prostata-Krebs am häufigsten behandelt werden. Auf Platz eins landet die Op.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:

BERLIN. In der HAROW-Studie (Hormontherapie, Active Surveillance, Radiotherapie, Operation und Watchful Waiting) wurde die Anwendung von fünf Therapieoptionen bei lokal begrenztem Prostata-Ca untersucht: Hormonbehandlung, aktive Überwachung, Bestrahlung, radikale Prostatektomie sowie Abwarten und Beobachten (World J Urol 2015, online 15. September).

Mit dieser Studie sei erstmalig der Versuch unternommen worden, in Deutschland urologische Versorgungsforschung in einem Bereich zu etablieren, der sich dafür besonders eignet, nämlich in den Praxen der niedergelassenen Urologen, so die Ärzte um Professor Lothar Weißbach vom Männergesundheitszentrum in Berlin.

Das prospektive, nicht interventionelle Design ermögliche die Aufnahme vieler Patienten in relativ kurzer Zeit und "vermeide die Verzerrung der Ergebnisse durch post hoc vorgenommene Zuschreibungen" (Urologe 2014; 53: 1743-1752).

Patientendaten aus 260 Praxen

Für die Studie sammelten die Ärzte in fast 260 Praxen, vor allem in Ballungsgebieten, die Daten von Männern mit einem histologisch bestätigten lokal begrenzten Prostatakarzinom (T1a-T2c/N0/M0) über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. Von ursprünglich 3169 Teilnehmern konnten die Befunde von 2957 Patienten für die Studie ausgewertet werden.

54,8 Prozent hatten einen T1c-Tumor, bei 38 Prozent befand sich der Tumor im Stadium T2a-T2c und bei 7,1 Prozent im Stadium T1a oder T1b.

Nach den d?Amico-Kriterien (PSA-Wert, Gleason-Score und T-Grad) hatten 38,9 Prozent der Männer ein Niedrigrisikokarzinom, bei 32,6 Prozent war das Karzinom mit einem intermediären und bei 26,6 Prozent mit einem hohen Risiko assoziiert. Das Follow-up lag bei durchschnittlich 28,4 Monaten.

Wie aus der Studie hervorgeht, unterzogen sich 56,6 Prozent der Patienten als Ersttherapie einer Prostatektomie, 16,4 Prozent wurden bestrahlt und 6,9 Prozent erhielten eine Hormontherapie. 15,8 Prozent der Männer entschieden sich für eine aktive Überwachung und nur 4,3 Prozent für ein "watchful waiting".

Wie erwartet, so die Ärzte, sei die höchste Progressionsrate - mit einem Anteil von 33,1 Prozent - bei den Patienten beobachtet worden, die sich für eine aktive Überwachung entschieden hatten. Mit nur 8,6 Prozent war der Anteil der Männer mit fortschreitender Erkrankung nach einer radikalen Prostatektomie deutlich geringer.

Dass die aktive Überwachung als Strategie verantwortungsvoll wahrgenommen wird, lässt sich daran ablesen, dass in dieser Gruppe die meisten Männer mit einem Niedrigrisikokarzinom waren (82,5 Prozent). Drei von vier Teilnehmern dieser Gruppe hatten einen PSA-Dichte-Wert unter 2 ng/ml pro Milliliter Prostatavolumen (77,5 Prozent).

83,6 Prozent hatten einen Tumor im T1-Stadium und die meisten einen Gleason-Score < 6 (92,5 Prozent). 80 Prozent der Männer hatten maximal zwei positive Biopsien. Die Gruppe mit aktiver Überwachung hatte im Vergleich mit anderen Therapiegruppen den niedrigsten mittleren PSA-Wert (5,8 ng/ml).

Wechsel bei aktiver Überwachung

Die meisten Patienten mit aktiver Überwachung wechselten im Verlauf der Studie die Therapiegruppe: Bei 58,0 Prozent fand eine Prostatektomie statt, 26,8 Prozent entschieden sich für eine Bestrahlung, 8,9 Prozent für eine Hormonbehandlung und 6,2 Prozent für das "watchful waiting".

Über die gesamte Studiengruppe hinweg hatten sich 14,6 Prozent der Teilnehmer für einen Wechsel der ursprünglichen Therapie entschieden.

Nur jede zweite Praxis nutzte die Option aktive Überwachung für ihre Patienten, und fast 31 Prozent der Patienten in der Niedrigrisikogruppe wurden prostatektomiert. Das spiegele eine Diskrepanz wider zwischen dem Anteil der Patienten, die für die aktive Überwachung geeignet seien, und denjenigen, die sie schließlich erhielten, so die Urologen.

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