Direkt zum Inhaltsbereich

Diabetischer Fuß

Die fünf häufigsten Therapiefehler

Mehr als jeder zweite Patient mit diabetischem Fußsyndrom muss innerhalb von vier Jahren mit der Amputation rechnen.

Veröffentlicht:

STUTTGART. Etwa 300.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an einem diabetischen Fußsyndrom, mehr als die Hälfte müssen sich innerhalb von vier Jahren einer Amputation unterziehen.

Amputationen könnten vielfach verhindert werden, wenn typische Fehler bei der Diagnostik und Behandlung vermieden würden, meint Professor Ralf Lobmann, Endokrinologe am Klinikum Stuttgart - Bürgerhospital (MMW - Fortschr. Med. 2013; 155: 63).

"Auch bei äußerlich blandem und teils unscheinbar kleinem Aspekt zeigt sich bei Sondierung oft eine unerkannte Tiefenausdehnung oder eine subklinische Begleitinfektion in das umgebendes Gewebe", warnt Lobmann.

Die fehlende Schmerzsymptomatik, die womöglich reizlos aussehende Wunde, tastbare Fußpulse und das rosige Hautkolorit tragen zur Fehleinschätzung der Läsionen an typischen druckbelasteten Stellen des Fußes bei.

Begleitende Nagel- oder Interdigitalmykosen stören ebenfalls die Heilung, weshalb auf solche Infektionen geachtet werden müsse, fordert Lobmann.

Der Diabetologe hat die fünf häufigsten Fehler im Zusammenhang mit dem diabetischen Fußsyndrom zusammengefasst:

Verschleppte Diagnose: Eine Wunde, die unter der Therapie nicht binnen vier Wochen kleiner wird, ist als chronische Wunde anzusehen.

Unzureichende Entlastung: Druckentlastungsschuhe werden nicht getragen oder es ist keine Entlastung verordnet worden. Als Goldstandard und am besten untersuchte Entlastungsform gilt der Total Contact Cast (TCC), also ein individuell angepasster Steifverband, der nur zum Verbandswechsel abgenommen wird. Möglich sind auch Hilfsmittel wie Gehstützen, Orthesen, Rollstühle oder die initial vollständige Immobilisierung.

Inadäquat behandelte Infektion: Aufgrund der verminderten Immunkompetenz fehlen oft die klassischen Entzündungszeichen. Die antibiotische Behandlung muss stadiengerecht so schnell wie möglich initiiert werden.

Dabei ist die lokale Antibiotika-Applikation unbedingt zu vermeiden, weil keine ausreichenden Wirkspiegel erreicht und weil Resistenzen sowie allergische Reaktionen gefördert werden.

Mangelhaftes Débridement: Das initiale Wunddébridement ist eine heilungsaktivierende Maßnahme, avitales Gewebe sowie bakterieller Biofilm werden entfernt, ein vitaler Wundgrund wird hergestellt. Lobmann: "Ein gründliches und regelmäßiges Débridement hat einen höheren Stellenwert als die Wahl einer bestimmten Wundauflage."

Keine stadiengerechte Therapie: Das Ausmaß der Gewebezerstörung sowie das Vorliegen einer Infektion und/oder Ischämie bestimmen die Therapie, die enstsprechende Stadieneinteilung soll nach Empfehlung der DDG nach der Wagner-Armstrong-Klassifikation erfolgen. (ner)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kasuistik

Atypische Stirnfalten: Wo kommen sie her?

Sonderbericht

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

© Iuliia Petrovskaia | iStock

Dermatophyten-Infektionen

Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Atypische Stirnfalten: Wo kommen sie her?

Erkrankung des Herzmuskels

Magnetokardiographie zur Kardiomyopathie-Diagnostik?

Lesetipps
Eine Puppe liegt dreckig auf dem Boden.

© fotogeng / stock.adobe.com

Dissoziation

Umgang mit Trauma und PTBS: Was kann die Hausarztpraxis leisten?

Wenn das Bindegewebe im Becken an Spannung verliert oder geschädigt wird, droht ein Descensus genitalis. Wichtig sind Aufklärung und Beratung der betroffenen Frauen.

© H_Ko / Stock.adobe.com

Genitalsenkung

Descensus genitalis: Aktualisierte Empfehlungen auf S3-Niveau