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Eineinhalb Jahre Herzunterstützungssystem, dann erfolgreiche Herztransplantation

Für Kinder, die mit schwerem Herzfehler geboren werden, sind extrakorporale Herzunterstützungssysteme lebensrettend. Ein Kind wurde nun 1,5 Jahre erfolgreich behandelt.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Dieses Mädchen war eineinhalb Jahre lang an das Herzunterstützungssystem Excor® angeschlossen.

Dieses Mädchen war eineinhalb Jahre lang an das Herzunterstützungssystem Excor® angeschlossen.

© Foto: Berlin Heart

Knapp 15 Monate lang ist ein heute eineinhalbjähriges Mädchen am Universitätsklinikum Münster mit einem Herzunterstützungssystem für Kinder versorgt worden, bevor ihr kürzlich erfolgreich ein neues Herz transplantiert werden konnte.

Damit sei sie weltweit der am längsten mit dem System unterstützte Säugling, teilen das Klinikum und das Unternehmen Berlin Heart mit. Das Kind war mit dem Bland-White-Garland-Syndrom (ALCAPA*) geboren worden, einem angeborenen Herzfehler, bei dem die linke Koronararterie aus der Arteria pulmonalis entspringt. Folgen der Anomalie sind Myokardischämien, Infarkte mit Myokardnekrosen und Narbenbildungen. Trotz kompensatorischer Hypertrophie des Herzmuskels ist dessen Funktion beeinträchtigt, der linke Ventrikel erweitert sich. Hinzu kommt eine Mitralinsuffizienz.

Hierbei sind die Blutpumpen durch Kanülen mit dem Herzen und den Gefäßen des Patienten verbunden (Abbildung links). Über einen pneumatischen Antrieb gelangt Blut in die Hauptgefäße des Patienten.

Hierbei sind die Blutpumpen durch Kanülen mit dem Herzen und den Gefäßen des Patienten verbunden (Abbildung links). Über einen pneumatischen Antrieb gelangt Blut in die Hauptgefäße des Patienten.

© Foto: Berlin Heart

Die meisten der betroffenen Säuglinge fallen nach dem zweiten bis dritten Lebensmonat etwa dadurch auf, dass sie übererregbar sind und vorübergehend blassgrau und kaltschweißig werden, manchmal sogar bewusstlos - vor allem bei Belastungen wie beim Trinken. Es kann zur akuten Herzinsuffizienz mit Zusammenbruch des Kreislaufs kommen. 65 bis 90 Prozent der Patienten sterben im ersten Lebensjahr infolge der kardialen Dekompensation, eines schweren Herzinfarktes oder akuter Herzrhythmusstörungen.

Herzchirurgen am Uniklinikum Münster hatten bei dem Mädchen zunächst den Fehlabgang der linken Koronararterie korrigiert. Das Mädchen erholte sich zunächst gut und konnte von der maschinellen extrakorporalen Sauerstoffbeladung (ECMO) entwöhnt werden. Allerdings kam es nach einigen Tagen zur akuten Verschlechterung, die sich unter ECMO nicht besserte. Deshalb entschlossen sich die behandelnden Ärzte zur Implantation eines pulsatil arbeitenden, pneumatischen Linksherzunterstützungssystems (LVAD**) für Kinder (Excor® Pediatric).

Bereits mehr als 600 Kinder mit LVAD behandelt

Da bei Kindern wenig Platz im Brustkorb vorhanden ist bei sehr kleinen anatomischen Verhältnissen, werden bei ihnen eher parakorporale Herzunterstützungssysteme verwendet, die nur wenige Hersteller anbieten. Anfang Januar 2008 implantierte Professor Tonny Tjan in Münster ein 10-ml-LVAD, wobei die Einlasskanüle (Einlass des Bluts in die Pumpe) im Apex und die Auslasskanüle an der sehr kleinen Aorta ascendens angebracht werden musste. Danach erholte sich das Kind gut, nahm an Gewicht und Körpergröße zu. Am 3. April 2009 stand dann ein Spenderherz zur Verfügung, das erfolgreich und komplikationslos transplantiert wurde. Inzwischen sei das Mädchen nach Hause entlassen worden, teilt die Universität mit.

Nach Angaben von Berlin Heart ist das LVAD für Kinder weltweit bereits bei mehr als 600 Patienten angewendet worden, sowohl bei Neugeborenen ab 2,2 Kilogramm Körpergewicht als auch bei Teenagern. Zurzeit läuft eine klinische Studie mit Kindern in den USA.

*ALCAPA - Anomalous origin of Left Coronary Artery from Pulmonary Artery

**LVAD - Left Ventricular Assist Device

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